Es gibt so Menschen, die erhellen deinen Tag. So geht es mir mit Karin . Ich kenne sie seit über einem Jahr – oder so – und es ist mir jedes mal eine Freude, neue Bilder/ Zeichnungen von ihr zu sehen. Wir haben Kontakt und das ist wunderbar und mir eine Ehre.

 

Denn Karin ist ein besonder Mensch: Voller Esprit und Humor und Glauben und Hoffen und Lieben und Musik und Wunder. (Eine klitzekleine Lobhudelei muss erlaubt sein)

Und dann las ich in einem Nachtschichtpäuschen folgenden Post von ihr. Mein Kaffee wurde darüber kalt und meine Kippe fiel mir fast aus dem Gesicht – denn was ich da las, hat mich tief berührt und erschüttert. (Ich habe gefragt – ich darf den Post veröffentlichen)

Da geht es (fast) nur am Rande um Schicksal, dass ihnen widerfahren ist. Vor allem geht es um Liebe. Um Wunder und und Netzwerke, in denen man geborgen sein kann.

Hier könnt ihr noch mehr über Karin lesen – in einem Interview. Oder auf ihrer Facebookseite  blättern.

 

 

Im falle_n

Am Samstag rief mich der Saftmann auf meinem Handy an. Es ist Jaffer, der Saftmann, bei dem ich immer meinen Saft auf dem Markt kaufe. Ich liebe Jaffer und seine Frau Gülten, und wir freuen uns immer, wenn wir uns sehen, und wenn ich mehrere Wochen wegbleibe, wird der Saftmann unruhig, ruft an und fragt, ob ich noch lebe, oder so.
Ich erzähle Jaffer, dass ich die letzten 3 Wochen auf der Intensivstation verbracht habe, weil meine 11-Jährige Tochter Mia scheinbar schlafwandelnd aus einem Fenster im 4. Stock gefallen ist. Sie lebt, sag ich ihm, der Kopf ist heil, der Rest ziemlich kaputt.
Wir bangen um ihre Beine, denn im Moment gilt sie als Querschnittsgelähmt. Ich heule, weil der Saftmann sagt, dass er die Rehaklinik in und auswendig kennt ( da , wo wir jetzt sind ), und er will sofort losfahren und uns besuchen, und Saft mitbringen und so. Ich heule noch mehr, weil der Saftmann so lieb ist, und ich so viel Liebe gar nicht gut aushalten kann. Die Saftfrau kommt ans Telefon und erzählt, dass der Neffe, Hüssein, einen schweren Motorradunfall hatte, und 13 Monate in der Rehaklinik war, deswegen kennen sie das alles, und ich soll immer gut denken, und nix den Ärzten glauben, und nie schlecht denken, und immer gut denken. Der Neffe Hüssein ist wieder zurück in Berlin und wohnt mit seiner Familie im 3. Stock eines Mietshauses. Er sitzt im Rollstuhl. Wenn der Junge, der mittlerweile 90 Kilo wiegt, aus der Wohnung muss, müssen ihn 3 Erwachsene die Treppe herunter und dann wieder hinauftragen. Berlin ist gross, ihr lieben. Berlin hat trotz all dem Mietchaos noch Lücken im System. Wenn ihr was hört, oder riecht, dann meldet euch bei mir, erst mal braucht Hüssein und seine Familie eine Erdgeschosswohnung ab 4 Zimmer. Come on. Wunder sind möglich. Alles ist möglich. Fangen wir mit einer coolen Wohnung für die Saftmannfamilie an.

( bitte, ihr lieben, very important note: Mia ist gefallen, aber wir, sprich, alle, die mit diesem Fallen zu tun haben, sind mehr als gesegnet, so ein grosses, unterstützendes liebendes Netzwerk um uns herum vorzufinden, und uns davon gesichert und getragen zu wissen. Unser aller Leben ändert sich dadurch radikal, aber wir schlagen ein neues, unbekanntes Kapitel auf, das auf dem aufbaut, was wir in den letzten 3 Wochen an support erlebt haben, und das kann nur gut sein.
Und letztendlich ist Mia die, die dieses ungeheure Netzwerk sichtbar gemacht hat durch ihr Fallen jetzt schon unfassbares bewirkt hat. Sie ist in einem guten Zustand. Sie hat ihren Humor, ihren Mut und ihre scharfe, unbeugsame Art dadurch nicht verloren, im Gegenteil, nur noch verstärkt. Sie ist demütig mit dem, was gerade mit ihr passiert. Und Mr. Gott führt. Sie lässt sich führen, das sieht man ihr an, und davon können alle profitieren, die gerade in ihrer Nähe sind. )

PS. Bitte nehmt es nicht persönlich, wenn ich nicht auf alles anworte, was jetzt an Kommentaren kommt, es ist total schön, wenn ihr Anteil nehmt, aber seid gewiss, es ist alles von guten Geistern getragen hier, und wenn wir nix sagen, ist es grad, weil wir mit Mr. Gott im Gespräch sind oder so. Und jeder, der eine Kerze anzündet, für Mias und Hüsseins Genesungsweg sei voll willkommen, dann fühlt sich das Netzwerk noch grösser an, und das wirkt wirklich Wunder.

Wunder sind möglich.
Alles ist möglich.
Amore from here.

Soweit der Post damals von Ihr. Zack. Tief ins Herz. Ein Schicksalsschlag und dennoch Hoffnung. Und diese Hoffnung soll weitergehen. Eine neue Wohnung muss her, ein Leben – oder vielmehr das von mehreren Menschen will neu geordnet werden.

Was mich mit Karin verbindet, ist ein unerschütterlicher Glaube an Wunder.

Aber Wunder wachsen nicht auf Bäumen, sondern brauchen einen kleinen Schubs. Einen Schubs in Richtung Garten und Tomatenstrauch. Zu Nudeln und zusammen am Tisch sitzen. Zurückfinden zu einem Stück Normalität.

Wie soll man das alleine schaffen?

Schwierig. Zusammen geht es besser. Aber es braucht Ideen – und die hatte Karin.

Tata: Ich präsentiere euch:

Stempel_n(Natürlich ist es nicht der teuerste Stempel der Welt. Ich hab ihn gekauft. Ich weiß es.)

Wenn wir wirklich dort im nächsten Frühling unsere Tomatenpflanzen aussähen, dann wissen wir mal wieder, dass Wunder möglich sind, weil sie von etwas Größerem, als wir selbst möglich gemacht worden sind.

Warum ich das hier alles schreibe? Siehe oben. Ich glaube an Wunder. Ich glaube an Menschen (Obwohl ich im Lauf der Zeit viele Vollposten kennengelernt habe).

Ich glaube an die Kraft der Bitte. (Nicht Betteln. Ist ein Unterschied,  ihr „Ja -Aber-Sager“)

Und ich glaube an die Kraft von Netzwerken. Und Stempel.

Hier kann man lesen und verfolgen, wie tiefberührende Geschichten seinen Lauf nehmen und das Leben verändern. Ich schreibe so oft von Patienten – den netten und den doofen.

Hier schreibe ich über einen Menschen, den ich kenne.  Und mit dem ich zusammen hoffen möchte.

(Und auf die Gartenparty. Denn einen besseren Rollirallyefahrer als mich für Mia wird sich schwerlich finden lassen. Ich schwör!)

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