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Privatleben

Der Mauerfall

Oder:…..wie ich eine bedeutende Nacht verschlief.
Vor viele Jahren war ich mit einer Freundin und Ausbildungskollegin in Berlin. An dem morgigen so bedeutenden Tag machten wir uns auf, ihren Onkel in Ost-Berlin zu besuchen. Es war genauso aufregende und bedrückend, die Grenze zu überwinden, wie als 7-jährige. Meinen Kinderkoffer mit Pixiebüchern hielt ich damals krampfhaft in meinen nervösen, verschwitzten Kinderhänden fest. Sie durchsuchten alles! Nichts war ihnen heilig. Selbst meine Kinderbücher und Kuscheltiere nicht. Mit strengem Blick wurde ich aufgefordert, das kleine Köfferchen zu öffnen. 

Jahre später war es immer noch aufregend, die Transitzone zu überqueren. Geld zu tauschen. Den Rauch der Kohleöfen, mit denen in Ost-Berlin geheizt wurde, in der Nase zu haben.

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Der Osten war grau. Viel grauer als der Westen. Abgeschranzt. „Was wa nich ham, brauchense nich!“ Oder vielleicht bildeten wir uns das auch ein. Keine Blinkende Reklame, keine bunt gestrichenen Häuserfassaden. Es hatten den Charme des Verfalls mit Außenklo. Wir mochten es. Bei Kaffee und Kuchen erzählte der Onkel Geschichten aus dem Osten. Wir hatten vorher ein bisschen gealbert, ob es wohl eine Schnitte trauriges Graubrot  und Muckefuck geben würde. Was wussten wir denn schon groß vom Osten? Wir wussten wenig. Mangel sollt herrschen – überall und allenthalben. Gefährlich wäre es. Ein Wort zu viel und du sitzt im Knast. Jeans waren angeblich nicht zu finden – wir sahen sie aber dennoch. Kaffee nur als Westpaket.

Es war eine fremde Welt, die wir betraten. Aber am Kaffeetisch war sie nicht fremd. Anders vielleicht. Wir hörten von Menschen, die andere ausspionierten. Das wussten wir –  ein Tatsachenbericht am  hübschgedeckten Tisch mit gutem Porzellan ist allerdings etwas anderes. Beklemmend. Aber machten wir uns darüber hinaus Gedanken über das Leben in der ehemaligen DDR?  Dass die Cousine ihr Kind eben schnell noch aus der Krippe nach der Arbeit abholen würden? Von Kinderbetreuung und gleichzeitiger Vollzeitstelle  waren wir emotional weit entfernt. Dieses ganze Erwachsene Leben und das Leben im Osten war meilenweit von uns entfernt. Interessant. Aber weit weg.

Der Onkel sprach auch von einer möglichen Grenzöffnung. Es wäre was „im Busch“. Er sprach davon, wie lange es dauern würde, bis Ost und West irgendwann einigermaßen und so „richtig“ vereint wären – wenn es denn überhaupt jemals passieren würde. Seiner Meinung nach würden mindestens 25 Jahre darüber vergehen.

Wir nickten.  Alles unvorstellbar. Grenzeröffnung. Pöh. Wir hatten die strengen Grenzer gesehen. Die kontrollierten Übergänge. Eröffnung. Na klar. Und dann 25 Jahre. Eine Ewigkeit. Wir dachten in Wochen, vielleicht noch in Monaten und sehr wenigen Jahren. Wann wir die Liebe des Lebens wieder sehen würden und wann der nächste Urlaub anstand. Wann wir die Ausbildung fertig hatten. Das Leben in der DDR ging uns wenig an. Ja. War bestimmt schlimm.Was genau? Jenseits der Vorstellungskraft.

Heute sehen wir Bildern aus anderen Ländern, empören uns kurz und  schalten zum nächsten Katzenvideo weiter.  Wir blättern die Zeitung weiter, um den neusten Klatsch aus aller Welt zu lesen. Das Leben von Angelina Jolie scheint uns näher als die Kinder als Aleppo. Ein überfahrenes Kätzchen löst in den sozialen Medien mehr  Mitleidsbekundungen aus, als ein ertrunkener Flüchtling im Mittelmeer, ein eingesperrter Journalist in der Türkei oder verschleppte Kinder in Afrika. Was kann man denn nur tun – fragen viele? Der Mauerfall hat uns gelehrt, dass niemals geglaubtes möglich ist. Entschuldigt die Abschweifung.

Zurück nach Ost-Berlin.

Nach Kaffee und Kuchen machten wir uns auf den Weg.
Abends hatten wir Opernkarten für die „Komische Oper“. Schließlich mussten das Transitgeld unter die Leute gebracht werden. Es wurde Orpheus und Eurydike von Christoph Willibald Gluck gespielt- mit dem unglaublichen Countertenor Jochen Kowalski.

Es war wundervoll. Die Oper war kein bisschen abgeschranzt. Die Sessel waren rot und plüschig. Die Musik wunderbar.

Danach wanderten wir zum U- Bahn- Übergang Friedrichstraße.
Überall gab es Kamerateams. Und Menschenmassen. Vor uns wurde ein DDR-Bürger von einem Grenzer zusammengefaltet, der „rübber machen“ wollte.

„Nur unter Abgabe seiner Pässe!!!!“ Hui. Das wollte keiner.

Es war ein Gewusel, eine merkwürdige Stimmung. Eine nicht zu greifende Spannung auf etwas, von dem man nicht weiß, ob es jemals kommen wird. Wie eine Katze auf dem Absprung zur Maus.

Aber es kommt ja nie was.  Grenzeröffnung. Da konnten sie in Leipzig noch so laut: „Wir sind das Volk schreien“. Gegen Systeme kommste nicht an! Das wusste man doch!


Die Freundin und ich überprüften den Sitz unserer Frisuren – für den Fall, dass wir ins Fernsehen kommen sollten – warum auch immer. Man weiß ja nie.. Claudia Schiffer wurde schließlich auch auf der Straße entdeckt. Die Fahrt verlief ruhig.


In Spandau fielen wir in unsere Gastbetten.


Am nächsten Mittag wollten wir mit der Mitfahrerzentrale nach Hause fahren. Es dauert sehr lange, bis das Auto kam. Aus dem Auto stieg ein zerknautschter junger Mann, der sich artig entschuldigte, weil er so spät kam. „Aber- Hey. Das war ja auch ne Nacht vielleicht. Wart ihr auch auf der Party?“
„Öhm. Welche Party?“ ( Muhaaa. Die Berliner hatten vielleicht Humor! Das gefiel uns gut.)


„Na überall. Die Grenze ist auf!“
„Nein!“
„Doch!“
„Ohhhh!“


Wir brauchten 15 Stunden bis nach Hause. Wir hatten mächtig viel Spaß auf der Autobahn mit stinkenden Trabbis rechts und links von uns im überschwänglichen Glücksrausch. Ost und West vereint auf der Autobahn. Überschwenglichkeit und unfassbare Freude. Geteilte Kippen. (Alter! Was rauchen die da für ein Kraut! *röchel*)


Heute kann ich meinen Kindern ( und euch natürlich) davon erzählen: Ich war dabei. Also irgendwie. Ein bisschen.

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Entlüften

Manchmal packt einen ja der Rappel und dann muss man los. Immer gerade aus in bequemen Schuhen. Über Stock und Stein. Im Nieselregen, Nebel und wenn man Glück hat im Sonnenschein oder Mondlicht.

Das habe ich am Wochenende gemacht. Herzensfreundin ins Auto und los. Und weil Budapest oder das Meer, Amsterdam oder New York so weit ist, wurde es die Rhön. DIE RHÖN! Soweit ist es schon gekommen.

Und was soll ich sagen: Die Rhön ist super. Und sehr schweigsam. Scheinbar sind alle Vögel in der Röhn schon im Winterschlaf. Oder ins Sommercamp geflogen. Oder hatten einfach keine Lust. Denn was will man auch zwitschern, wenn es um einen herum wahnsinnig still ist. Man hört den Wind durch die Bäume pfeifen  ( Das ist fast so wie bei Indianer Jones und der letzte Kreuzzug)  quasi der „Hauch Gottes“ und die Bäume ächzen. Vielleicht sind sie aber auch verwunsche Prinzen die stöhnen, weil sie gerne erlöst werden möchten. Wer weiß das schon. Spooky. Knarzknarzkanrz. „Fällt er jetzt um?“

Die Hütten sind das, was man wahnsinnig „ursprünglich“ nennen kann. Stehrumchens und Hänghinchens in glänzendem Braunton, Gnome und herbstliche Dekoration – gerne auch mit den Eulen, die jetzt jeder so mag.  Rustikale Bestuhlung, das Besteck in Trögen auf dem Tisch, der Kaffee kommt gleich in Pötten. Die Wirtsleute sind unglaublich herzlich. Das Essen ist lecker, das Frühstück machte uns glücklich.  Zwischen den Mahlzeiten und der Wanderschaft liegt man in knarrenden Betten mit Ommadeckchen drauf. (In der Rhön ist es frisch.) Die Heizung ist in den Zimmern auf angenehme 18° gestellt. Das reicht dem Mensch in der Röhn. Wir mussten nachjustieren.Wir städtischen Weicheier.

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Man sitzt an Tischen mit Aussicht und kleinen Gnomen.

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Die kleinen Gnome sind sehr lustig. Die Hüttenbewohner auch. Sie trinken gerne und machen Witzchen, da würde sich Donald Trump vor Freude auf die Schenkel klopfen. Endlich auch jemand, der den anzüglichen „Klogesprächsdamenwitz“ liebt.

Diese Männer tragen gerne Fußbekleidung, da braucht man dann auch nicht mehr weiterschreiben. Traumschön. Quasi Verhütung am Fuß.

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Ein Traum. Oder?  Ich hätte den ganze Abend Fußbekleidung knipsen mögen. Sehr interessant, sage ich euch. Sehr interessant. Und unschön. Aber interessant.

Dafür ist es vor der Tür wirklich traumschön. Der Blick schweift weit. Berge und Täler, Wolken und Nebelfelder. ( Bei Nebel sagt die Mama einer Kollegin: „Da kochen die Hasen Kaffee!“ Also Kaffee schien an diesem Wochenende reichlich zu fließen im Hasenland. Familienfeier bei Familie Hase? Traumhochzeit der Karnickel?)

Der Blick schweift und fast hört man Bob Ross sagen: „And a little bit of happy yellow….“ und mit seinem Spachtel über die Landschaft kratzen und schwupp – haste einen schönen Baum am Bildrand. Oder einen drei Meter Pilz!

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Pilz an Landschaft.

Und dann muss ich meiner Herzensfreundin immer meinen Pilzwitz erzählen, worüber sie schon seit Jahren nicht lachen kann. Aber vielleicht ihr – ihr treuen Leser:

Steht ein Pils im Wald. Kommt ein Jäger und trinkt es aus!

Man geht durch Baumtore. Ach was: durch Baumportale. Zack – andere Welt. Man erwartet Frau Galadirel aus dem „Herrn der Ringe“. Zumindest aber einen Ent – einen Baumhirten –  der einen weiter trägt. Erstaunlicherweise kommt keiner.

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Aber dann ist man auch schon aus dem Wald herausgetreten. Irgendwo bimmelt eine Glocke den Abend ein. Ein Zeichen für die Kühe, loszumarschieren. Immer schön hintereinander. Und ich bin entzückt, denn ich mag Kühe. Und endlich gibt es Geräusche!

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Es ist wunderschön. Und man fragt sich in solchen Augenblicken immer: Warum geht man nicht öfters einfach los? Alltag Ade und ab ins hübsche Wochenende. Warum entlüftet man sich nicht öfters einmal? Herz und Hirn mal freipusten lassen. Den Füßen etwas anderes gönnen, als Klinikflure. Den Blick nicht ins Elend schweifen lassen, sondern in Landschaften, die die Seele streicheln. Die Phantasie spazieren führen.

Gekrönt wurde der Abend nach einem Anstieg über 30.0000 Höhenmeter (gefühlt)  mit einem Mond – den man nie so schön knipsen kann, wie er tatsächlich ist. (also ich nicht.)14697118_1188173017936959_270049650_oUnd ganz leise haben wir gesummt:

Der Mond ist aufgegangen,
die goldnen Sternlein prangen
am Himmel hell und klar;
der Wald steht schwarz und schweiget,
und aus den Wiesen steiget
der weiße Nebel wunderbar.

Es fehlte nur noch die Mundharmonika, die einer hätte dazu spielen mögen.

Aber da kam der heitere Männerpulk mit dem fragwürdigen Schuhwerk auf ein Bier und Zigarette aus der Hütte  und machte dumme Späßchen. Aber: Schlagfertigkeit haben wir voll drauf. Und nein: Wenn uns kalt ist, lassen wir nicht die Zimmertüre auf – auf das wir Herrenbesuch bekämen.

Ach – es traf sie hart! Wir hingegen lachten wie Waldorf und Statler.

Wenn ihr auch dahin wollte, wo sich Fuchs und Hase, Wind und Kühe, knarrende Bäume und Frau Galadiel „Gute Nachts“ sagen: Bitte schön. Hier hin!

Mutterns Hände

 

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Hast uns Stulln jeschnitten
un Kaffe jekocht
un de Töppe rübajeschohm –
un jewischt und jenäht
un jemacht und jedreht …
alles mit deine Hände.

Hast de Milch zujedeckt,
uns Bobongs zujesteckt
un Zeitungen ausjetragen –
hast die Hemden jezählt
und Kartoffeln jeschält …
alles mit deine Hände.

Hast uns manches Mal
bei jroßen Schkandal
auch ’n Katzenkopp jejeben.
Hast uns hochjebracht.
Wir wahn Sticker acht,
sechse sind noch am Leben …
Alles mit deine Hände.

Heiß warn se un kalt.
Nu sind se alt.
Nu bist du bald am Ende.
Da stehn wa nu hier,
und denn komm wir bei dir
und streicheln deine Hände.

Kurt Tucholsky (1890-1935)

Das sind die Hände meine Mutter. Ein Traum für jede Krankenschwester- alleine schon wegen der schöne Venen.

Feingliedrig  sind sie – das scheint vom vielen Orgelspielen zu kommen. (Ich habe die Hände leider nicht geerbt. Super. Nicht. ) Damit hat sie angefangen, als sie ein bisschen jünger war, als ich es jetzt bin. Der Organist fehlte. Was blieb ihr übrig?  Sie spielt immer noch Sonntags Orgel. Immer mit Lampenfieber.  Aber sie spielt. Sagenhaft. Ich bin wahnsinnig stolz auf meine Mutter.

Stullen hat se uns auch jeschnitten. Biostullen vom glücklichen Korn. Während alle anderen Zeugs aßen, dass im Supermarkt zu kaufen war, entdeckte Muttern einen der ersten Demeterhöfe im Nachbarort, das Reformhaus und Barbara Rütting.

Erzählt mir heute einer von der Unglaublichkeit der Frischkornbreis, kann ich nur müde lächeln. Kenn ich. Kenn ich alles. Auch die wunderbare Wirkung des Obstessig in und für alle Lebenslagen. Mückenstich? Müde Beine? Krampfadern am Ende? Mach Obstessig drauf. Hilft immer. Auch von innen verspricht es Schönheit und immerwährendes Wohlbefinden.

Bei uns wurden die Stulle mit gesunder Margarine aus dem Reformhaus bestrichen, dazu ein bisschen Vitam R ( ein Hefeaufstrich. Damals dachte man noch, Hefe sei mords gesund. Quasi Maggi aufs Brot) ) –  und glücklich war das Kind.

Zu trinken gab es Apfelsaft aus den gesammelten Äpfeln der riesen Gärten. Sonntags auch mal ne Sinalco, die wir aus der Gastwirtschaft nebenan holen durften. Nie hat Limo besser geschmeckt als damals.

Wenn ich sie heute leicht verspotte (in Wahrheit bin ich auch darüber wahnsinnig stolz und beglückt), fragt sie mich mit einem Hauch von Zickigkeit und Besorgnis: „Ja – aber hat euch was gefehlt?“

Nein Muttern – uns hat es an nichts gefehlt!

Kürzlich  ist sie ist 79 Jahre alt geworden. Oder wie sie immer grinsend sagt: „So alt wird kein Schwein!“ (Stimmt – noch nicht mal auf dem Biobauernhof).

Ob sie immer glücklich oder zufrieden war? Wahrscheinlich nicht. Aber vieles ist gelungen. Es ist meiner Mutter geglück, mit Wohlwollen zurück und auch vorzublicken. Trotz allem was da gab und gibt an Bekümmernissen.

Die Zeit fliegt dahin. Vor meiner Mutter scheint sie Halt zu machen. Gott-sei-Dank! Die wenigsten fühlen sich doch so alt, wie sie laut Kalender sind. (Obwohl – nach manchen Schichten fühle ich mich wie ein sehr altes Wiesel. Plattgefahren am Wegesrand. Vor drei Tagen.)

Ähnlich überrascht ist meine Mutter über ihr Alter. Die Zahl passt nicht zu ihr.Sie hat ja noch soviel zu tun. Meine Kinder hüten und bekochen und lieben und mit feinsten Betten zudecken (-meinen Vater natürlich auch). Den Garten bestellen, die Musik beleben mit ihren Händen und ihrer Stimme. Hörspiele hören und Musik überhaupt hören und lesen und wissen und neugierig sein auf das Leben. Und ans Meer fahren und dort stundenlang laufen bis die Füße schmerzen. ( Obstessig! Ach ne – der neuste Renner ist derzeit „Pferdesalbe!“)

Meine Mutter hat keine Zeit, alt zu werden.Wann auch? Und die Vorstellung, dass ihre Hände eines Tages „kalt“ sein sollten macht mir gehörige Klumpen im Magen.

Nu sind se alt.
Nu bist du bald am Ende.
Da stehn wa nu hier,
und denn komm wir bei dir
und streicheln deine Hände.

Bis dahin streichele ich ihre Hände bei seltenen gewordenen gemeinsamen Mittagsschläfchen. Da liegen wir dann unter feinsten Laken (meine Mutter steht auf vernünftige Qualität!) und kichern und plaudern – bis eine von uns sagt: „Aber jetzt wird geschlafen! Ab jetzt!“

Denn das sagen wir schon seit immer. So muss es sein. Am liebsten bis in alle Ewigkeit.

Wenn Tiere sterben

Mein Sohn (9 Jahre) wollte immer mal bei „dieser Bloggeschichte“ mitmachen. Hier schreibt er die Geschichte über unsere Katze auf.

 

Ein Mann kam in die Tür. Die Frau lag im Bett. Der Mann rief: “ Frau – ich hab ein Geschenk!“

Da hörte die Fraun ein Piepen und dachte: „Na toll. Mein Mann schenkt mir einen Vogel.“

Der Mann rief: Nun komm doch und schau!“

Die Frau stand auf und der Mann hatte eine Kiste dabei. Die Frau öffnete die Kiste. Darin waren zwei Babykatzen.

Der Mann und die Frau nannte sie Freia und Fricka (Der Mann und die Frau wurden später meine Eltern).

 

Freia: gemalt und geknipst vom Kind.

Sie war unsere Katze. Sie kuschelte gerne und miaute uns an. Sie sprach quasi in ihrer Sprache mit uns.

15 Jahre später…..

…kriegte Freia „Bubbel“. Brustkrebs. Die Familie war geschockt. Weil Krebs ist ja ganz was Schlimmes. Wir wollten ihr jeden Tag Essen bieten. Aber irgendwann hatte sie keine Lust mehr. Wir hatten sie trotzdem lieb, weil wir sie in unserem Herzen hatten.

Wir ließen sie operieren. Sie wollte kaum noch kuscheln und nur noch ihre Ruhe und nichts mehr. Eines Tages kam sie hervor und da waren wir ganz glücklich. Doch das Glück hielt nicht lange und der Krebs war so sauer und breitete sich noch mehr aus.

Die Katze lag erst auf der Couch bei uns herum. Dann verkroch sie sich in eine abgelegene Ecke. Sie wollte nichts mehr zu sich nehmen.

Die Eltern beschlossen, sie zu erlösen.

Alle mussten heulen, weil es so traurig war.

Die Katze starb in den Armen meiner Mutter.

Ich fühlte mich doof, weil Freia gestorben war. Ich hatte kaum noch Hunger, denn ich konnte es einfach nicht fassen. Sie war so süß und so schön und kuschelig. Ich fühle mich im Herz gebrochen.

Aber vielleicht hat sie es jetzt noch besser im Himmel, als bei uns.

Die Eltern beschlossen, die Katze bei Oma und Opa zu beerdigen. Wir legten sie in einen Schuhkarton und bedeckten sie mit Blumen. Bei der Beerdigung sprach Opa ein Gebet:

Nun bringen wir den Leib zur Ruh
und decken ihn mit Erde zu, den Leib,
der nach des Schöpfers Schluß
zu Staub und Erde werden muß.

Er bleibt nicht immer Asch und Staub,
nicht immer der Verwesung Raub;
er wird, wann Christus einst erscheint,
mit seiner Seele neu vereint.

Hier, Mensch, hier lerne, was du bist,
schau hier, was unser Leben ist:
nach Sorge, Frucht und mancher Not
kommt endlich noch zuletzt der Tod.

Wenn es Sommer wird, werde ich einen kleinen, wunderschönen Baum auf ihrem Grab pflanzen –  wie beim Herrn von Ribbeck in Ribbeck im Havelland.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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