Meine Güte – war ich räudig. Ich kam zur Nachtschicht und da stand ein nackter Tannenbaum vor der Tür der Notaufnahme. Ein unsichtbare Zettel hing daran: Bitte heute Nacht schmücken!

Tolle Wurst! Das fehlte noch! Reicht es nicht, dass man des Nächtens diese und jene Sonderaufgabe zu erledigen hat? Zusätzlich zu alle dem Alltags/nachtskram? Ist es nicht genug, daheim den eigenen Baum aufzuhübschen? Muss ich persönlich jetzt für eine Festtanne sorgen? Auf der Arbeit?

Meine Kollegin war ähnlich gelaunt.

Die Nacht schritt voran. Der Baum stand stumm vor der Tür und erinnerte uns bei jedem neuen Patienten/ Klogang oder Röntgenfahrt wie im Märchen von Frau Holle: „Schmücke mich. Ich steh schon ganz bezaubernd hier herum!“

(Man muss dazu sagen: Ich habs nicht ganz so mit dem Dekorieren. Ich bin da eher der pragmatische Typ. „Steh-rumchens“ und „Häng-hinchens“ findet man in meinem Haushalt eher weniger. Ich mag es aber bei anderen sehr gerne und weiß es durchaus zu schätzen.)

Als dann alle Patienten weg waren, (ja – auch das gibt es durchaus) beluden wir einen Wagen mit mehren Kisten auf denen „Kugeln“, „Christbaumschmuck“ und „Sonstiges“ stand.

Die Pförtnerin kam vorbei.

Lichterketten nach links.

Kugeln nach rechts.

Strohsterne in die Mitte.

„Sonstiges“ dazwischen.

Wir begannen.

Und dann passierte es.

Aus einem „wir klatschen mal eben die Kugeln an den Baum, damit wir Ruhe haben“ wurde ein „wir hängen feierlich Kugeln in den Christbaum“.

Ich weiß nicht, wie aus dieser Pflichtaufgabe Weihnachtsmagie wurde.

Es war ganz still und ruhig im Krankenhausflur. Die Kollegin pfiff leise Weihnachtslieder und die Pförtnerin und ich sangen dazu, während wir Kugel um Strohstern in die Zweige hängten.

Hier noch ein güldenes Schleifchen und dort noch die Lichterkette vorsichtig drapiert – so schmückten wir Zweig um Zweig.

Wenn man älter wird stell sich die Magie, der heilige und besondere Zauber von Weihnachten, immer weniger ein. Man backt und schmückt und bastelt und kerzelt – immer auf der Suche nach diesem besonderen Momenten, dieser Sehnsucht,  von der es als Kind so viel mehr gab.

Um so erstaunter war es, dass ausgerechnet dort, wo man es nicht erwartet, Weihnachten stattfindet.

Dieses „besondere“ Gefühl macht nicht Halt vor Klinikfluren und Uhrzeiten oder Abneigungen gegen Zusatzaufgaben.

Es ist ein Geschenk, dass wir mitten in der Nacht bekommen haben.

Tannenbaum_n

 

 

 

 

 

 

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