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Zwickmühle

„GEHT ALLE WEG – IHR VERDAMMTEN SCHWEINE!“

Dafür, das der alte Mann somnolent sein sollte, hatte er erstaunlich Kräfte und eine sehr robuste Stimme. Wahrscheinlich konnte man ihn noch im Klinikpark hören.

Mit seiner unklaren Somnolanz war er in die Klinik eingewiesen worden. Demenzielles Syndrom stand auch noch auf der Einweisung.

Ein mageres, kleines Männchen lag da auf der Liege. Aber von einer unklaren Bewußtseinstörung war keine Spur mehr, als wir uns an die Routinearbeiten machen wollten.

Blutdruck messen. „Ihr Schweine! Ihr gottverdammten Schweine, hört sofort wieder auf!“

Beim Versuch Blut abzunehmen kam Leben in die Bude. Dieser kleine, vom Alter und Krankheit winzige, zusammengeschrumpelte Mann hatte die Beweglichkeit einer Balletttänzerin und die Schlagkraft eines Sumoringers.

Davon zeuge später der blaue Fleck an meinem Oberarm, als er mich in seiner Verwirrung trat. Ich stand dabei am Kopfende der Liege.

Die junge, unerfahrene Ärztin wich erschrocken zurück.

„So wird das nichts!“, sagte der Kollege. „Weder mit Blut noch später mit einem CCT!“

Die junge Ärztin verschwand, um mit dem Oberarzt zu telefonieren, was nun zu tun sei.

Der Kollege und ich blieben zurück mit dem zeternden, wild um sich schlagenden Kerlchen.

Jahrgang 1928. Singen soll helfen. Erinnerungen pflegen an vergangene Zeiten. Was sang man damals, in Kriegszeiten?

Ich saß links und sang leise, der Kollege zur rechten versuchte, Blut abzunehmen.

Die Lippen des Greisen bewegten sich tatsächlich zum Lied und Text mit. Es war ein kleiner, sehr inniger Moment.

Bis die Nadel auf Haut traf.

Handgemenge! –  heißt es dann immer auf Twitter.

Das ist die Zwickmühle, in der wir uns so oft befinden.

Über den Kopf der Menschen, die es nicht mehr begreifen können oder wollen, müssen wir Dinge tun, die die Patienten auf keinen Fall wollen.

Wie will man auch einem alten Mann, der schon lange geistig nicht mehr in „unserer“ Welt lebt, erklären, dass es wichtig ist, was wir da machen. Dass es möglicherweise eine Erklärung gibt, warum er nicht mehr adäquat reagiert. Liegt es an durcheinander geratenen Blutwerten? Einen Verschluß in irgendwelchen Hirngefäßen? Am Herzen?

Die Angehörigen stehen vor der Tür und sind ratlos, was mit Opa los ist. Das Seniorenheim schickt Patienten, weil „irgendwas“ nicht stimmt.

Da muss man doch reagieren.

Möglich, dass der alte Mann auch einfach nur seine Ruhe haben wollte. Aber wer weiß das schon.

Als Privatperson möchte ich am liebsten dem Kollegen in die Arme fallen und sagen: Lass gut sein! Somnolent ist er schon mal nicht. Alles fein also.

Als Krankenschwester krempel ich die kurzen Ärmel hoch. Es ist mein Job, Probleme zu lösen.

Und dann wird über einen nicht bekannten Willen behandelt. Ein bisschen sedierende Medikamente über die Nase – weil Zugang hat er ja noch nicht -und schon funzt der Laden. Der alte Mann schnarcht sich durch die Blutabnahme sowie viele andere Untersuchungen.

Alles richtig so. Dennoch fühlt es sich falsch an.


Am nächsten Tag komme eine Frau mit geistiger Behinderung, die alles isst, was sich ihr im Weg befindet. In diesem Fall mehrere Büroklammern. Weiß Gott wie sie das macht. Sie ist in eine Art Schlafsack genäht, damit sie nicht an alles  herankommt, was sich in unmittelbarer Nähe befindet. Das Röntgenbild sieht spektakulär aus. Sie hat einen Darmverschluss und braucht eine Magensonde.

Das ist tricky. Magensonden legen ist kein  Vergnügen für den Patienten. Wenn schon Menschen Probleme damit haben, die „mitarbeiten“ – wie mag das erst sein für jemanden, der das ganze überhaupt nicht umreißen kann, was mit ihm geschieht?

Ein Versuch. Er klappt. Erfahrung rockt.

Und immer wieder dieses mulmige Gefühl: Was machst du hier eigentlich? Ist das „die Würde des Menschen“ gewahren?

Wo und wann hört die Würde auf und wo beginnt die Hilfe? Das „über den Kopf entscheiden“. Ach. Es ist kompliziert

 

Eine alte Frau mit Alzheimer hat hohes Fieber und braucht einen Katheter, um zu schauen, woher der Infekt kommt. Ich nehme die Arzthelferin, die noch nicht lange dabei ist, zu Hilfe mit.

Wie erkläre ich das, was ich gleich machen werde, einem Menschen, der es noch nicht mal im Ansatz versteht?

Ich erkläre es trotzdem. Und dann: Hose runter.

„Was machen sie denn da?“, kreischt die alte Frau erbost und tritt nach mir.

Wir arbeiten zu zweit, sprechen mit der Dame, versuchen sie zu beruhigen und ziehen sie mit sparsamen Handgriffen möglichst schnell aus.

Es gibt ein Schamgefühl – über alle kognitiven Strukturen hinweg.

Es ist mir unangenehm.

Aber die Krankenschwester in mir weiß auch, dass es sinnvoll ist, was wir hier tun.

Beine auseinander. Desinfektion im Intimbereich. Katheter rein. Puh. Alles geht glatt.

Die Arzthelferin schaut erschrocken. Das Ganze ging deshalb glatt, weil wir quasi fast auf der alten Frau lagen, damit sie uns nicht treten kann und wir gleichzeitig diesen verd**** Katheter hineinbekommen. Für meine „dritte Hand“ muss es ausgesehen haben wie Gewalt.

All das muss man ausblenden.

Persönliche Gefühle müssen zurückstehen zugunsten dem Patientenwohl und der Professionalität.

Aber es ist oft eine emotionale Zwickmühle.

Kinder, Patienten mit Alzheimer oder sonstigen demenziellen Syndromen, Menschen mit Behinderungen müssen behandelt werden. Aber es ist ein besonderer sensibler Bereich in dem man mit der größtmöglichen Ruhe, Gelassenheit und Langsamkeit arbeiten muss. Was in einer Notaufnahme nicht unbedingt der Fall ist.

Man muss Räume schaffen für solche Patienten. Nicht nur als Art Zimmer wie auf Spezialstationen. Sondern auch in uns Pflegepersonen. Denn sie werden immer mehr und fallen durch das Raster der Patienten einer Notaufnahme durch.

Manchmal träume ich davon, dass es auch eine Notaufnahme für solche psychatrisch- geriatrische Patienten gibt. Mit speziell geschultem Pflegepersonal. Es wird in Zukunft immer mehr Patienten geben, die dies bräuchten.

 

 

 

 

 

 

 

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Guten Tag, haben Sie Zahnseide?

Nachts um 1 Uhr kam der 92-jährige  Mann in die Notaufnahme. Ein heftiger Druck auf der Brust hatte ihn geweckt. Am Ende ein Herzinfarkt?

Wenn das Herz schmerzt, kommt der Notarzt und der Notarztfahrer und der Notarztfahrerpraktikant. Es kommt auch der Notfallsanitäter und sein Kollege sowie der Knecht der alles schleppt und wichtig schaut, gerne im Wege steht und anschließend wichtig die Patientenliege frisch bezieht.

Da lag er dann also. Die Augen fest geschlossen – es war ja auch schon spät. Da schläft der gemeine Seniorenheimbewohner normalerweise schon seit Stunden.

Meine entzückende Kollegin und ich machten uns an die Patientenversorgung. Ausziehen. Überwachung klar machen, EKG schreiben, Blut abnehmen, MRSA Abstrich, Patiententüte befüllen,  zig Zettel bekleben und ausfüllen. Dabei mit dem Patienten plaudern, Decke holen. Routinekram. Monitor im Blick.

Wir waren gerade so schön mittendrin, als auf einmal ein junger Typ mitten im Raum beim halbnackten, alten Patienten und uns stand.

Irgendwie musste er hineingehuscht sein, als zufällig die ansonsten geschlossene Tür der Notaufnahme offen stand.

„Entschuldigung. Haben Sie vielleicht ein Stückchen Zahnseide? Ich hab da was ihm Zahn und dachte, ich komm mal vorbei und frag!“

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Bildquelle:Pixabay

Nun – was soll man auch machen, wenn man nachts unterwegs ist und was im Zahn hat. In der Notaufnahme arbeiten doch Menschen, die sich rund um die Uhr gerne des menschlichen Leides annehmen – einschließlich mundhygienischer Probleme. Das weiß man schließlich.

Kommen Sie auch  gerne vorbei, wenn ihnen kalt ist, sie ihre Brille nicht mehr finden oder Sie Probleme bei der Fleckenentfernung haben – wie @Mama Maus auf Twitter so schön kommentierte. Oder wenn Sie ein Glas Wasser haben möchten: Wir sind da. Rund um die Uhr. Halten Sie ihr Kärtchen breit. Wir unterbrechen gerne jede Patientenversorgung um Ihre Not zu lindern.

 

„HACKTS NOCH?“, verlor meine Kollegin kurz ihre Contenance. Was erstaunlich ist, denn normalerweise ist sie diejenige, die definitiv den längeren Geduldsfaden von uns beiden hat. Quasi mehr so Gummiband. Dirket unheimlich manchmal. Sie sagte noch ein paar deutliche Worte mehr um das ganz abzuschließen mit:

„RAUS HIER!“

Anschließend zeigte ihm geschmeidig den Vogel. Das ich das noch erleben durfte!

Da denkst du, du hast schon alles erlebt in deinem Notaufnahmeleben.  Und dann kommt immer mal wieder doch noch einer um die Ecke und überrascht dich.

Und nein. Wir haben keine Zahnseide!

Und nein. Unser Patient hatte keinen Herzinfarkt.

 

Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.

Anschließend hörte ich ein bisschen Käptn Peng & DieTetakeln von Delphi und feierte den Text, der mir der Situation angemessen erschien.

Ey yo, Platz da! Hier ich schenk‘ dir ein Pflaster

Guten Tag, bitte verzeihen Sie mir, doch ich muss sie jetzt anschreien!

Denn irgendwann explodier‘ ich komplett
Ich pack‘ euch alle in ein fettes Baguette
Und verschlinge euch mit super-lecker-Kokosfett
Yoghurt-Tofu-Walnuss-Dressing, das wird nett…

Arme Eltern

Weil ein Krankenhaus umstrukturiert und weil an einem Nachmittag ein großes Computer-Update der benachbarten Klinik vorgenommen werden musste und weil und weil und weil – kurz gesagt also: #ausGründen, hatten wir in einer Schicht chirurgische Kindersprechstunde.

Natürlich kommen auch Kinder in die Notaufnahme, in der ich arbeite. Aber tatsächlich ist es eher die Ausnahme und nicht die Regel. Die Geschichte mit Fieber, Schnupfen, Heiserkeit sowie Ohrenschmerzen  und was sonst eben noch so einem Kind das Leben schwer macht, bleibt uns erspart.

Das interessante  sind – neben den verletzten Kinder – die verschiedenen Elternmodelle, die man beobachten kann. Höchst spannend. Sehr lehrreich.

Eltern wollen grundsätzlich das Beste für ihr Kind (die meisten GottseiDank zumindest).

Wer versteht das nicht besser als ich, die selbst drei Kinder hat. Leider haben meine Kinder das „Pech“ eine Notaufnahmeschwester zur Mutter zu haben. „Abwarten, Tee trinken, hochlagern und kühlen“ kennen sie zu genüge. Ich glaube,  ich war in all den Jahren einmal mit dem Kind in  der Notaufnahme.  Da rief dann der 11- jährige: „Macht Platz – ich habe einen Männerschnupfen!“ In Wahrheit hatte er einen gebrochenen Finger und eine Mutter, die sich heimlich wegschmiss vor Freude, dass das Kind einen Hauch von Ironie geerbt haben könnte.

Ich/wir hatten also insgesamt Glück gehabt oder vieles richtig gemacht. Und wegen vielem, bei denen andere die  Hände über dem Kopf zusammenschlagen würde, habe ich ein Pflaster aufgeklebt. Erfahrung rockt.

Die wiederum fehlt natürlich den meisten Eltern, die an diesem Tag kamen. Oder es fehlt die Oma von früher, die mal einen Blick drauf wirft und Niveasalbe sehr wichtig und konzentriert auf schmerzenden Gelenke salbt. Manchmal fehlt auch der gesunde Menschenverstand, das tiefe Durchatmen, wenn das Herzenkind blutet oder weint.

Vielen Eltern scheint die Selbstverständlichkeit im Umgang mit kleinen Kindern verloren gegangen zu sein. Mit Krankheiten und Erste Hilfe Maßnahmen erst recht. Alles kreist ausschließlich ums Kind. Was fehlt sind wahrhaftige Vorbilder. Familienrudel mit der berühmten Omma als erfahrene Ratgeberin. 


 

Hektische Stimme an der Sprechanlage: „Ich habe hier einen Notfall!“

Vor der Tür steht eine gelangweilte 12-jährige mit rosa Strähnen im Haar und kaut Kaugummi. Neben ihr wedelt Mutti mit der Krankenkassenkarte. Sie scheint Erfahrung zu haben. „Sie ist gerade schlimm umgeknickt. Und zu Sicherheit sind wir gleich gekommen.“

Nun hat unsere Klink neulich eine Art  Leitfaden herausgebracht, in dem man nachlesen kann, wie man mit Menschen und Patienten sprechen soll. Nicht, dass wir es die letzten Jahre groß anders gemacht hätten – aber gut. Wenn wir es denn offensichtlich brauchen…..“Wenn du nicht mehr weiter weißt, bilde einen Arbeitskreis“.

Daher sagte ich freudig, gemäß der Leitlinie: „Wie gut, dass sie gekommen sind!“

Die Mutter schaut irritiert. Ich lächel freundlich.

„Gebrochen hat sie nichts. Aber zur Sicherheit sind wir da!“

„Verstehe!“

Fassen wir zusammen. Ein Notfall steht vor der Tür, der nichts gebrochen haben mag- aber trotzdem ein Notfall zu sein scheint und jetzt zur Sicherheit da ist.

Natürlich röntgen wir das Mädchen mit den rosa Haaren. Immer drauf mit den Röntgenstrahlen. Zur Sicherheit eben.

Als die Ärztin  die Bilder mit der Mutter bespricht, sagt Mutti triumphierend: „Hab ich doch gesagt, dass sie nicht gebrochen hat!“ Das Mädchen bläst den Kaugummi auf.

Warum sie jetzt genau und zu welcher Sicherheit da war, erschließt sich mir nicht so ganz.

Aber es war schön, dass sie da war und ich die neuen Leitlinien“ Freundlichkeit für jedermann“ anwenden konnte. Immerhin.


 

 

Vor der Tür steht Vater, Mutter und zwei kleine Kinder. Einer der beiden Kinder, ein 9-Monate alter, munter grinsender Bursche hat ein Pflaster um den Finger.

Ich bitte ich die Eltern zu entscheiden, wer mitgeht und wer mit dem anderen Kind vor der Tür bleibt. Für eine Familie dieser Größe ist das Behandlungszimmer nicht ausgerichtet.

„Ich geh“ , sagt die Mutter. „Bei dir heult er immer!“

Sie möchte los.  Aber da hängt sich das andere Kind, offensichtlich ein Mädchen – wie man an den vielen Glitzerglimmerrosapaillettengedöns sieht- an ihre Hose und lässt nicht mehr los.

„Nimm du sie bitte“, sagt sie zu ihrem Mann. Er streckt die Hand aus. Das kleine Mädchen schlägt sie aus und klammert sich an Mutti. 

„Sie will nicht!“, sagt er.

„Dann nimm sie halt auf den Arm!“, herrscht sie ihn mit einer Mischung aus Erschöpfung, Überforderung und Zickigkeit in der Stimme an.

„Aber sie will doch nicht!“

In der Phase, dass Kinder auch mal sanft gezwungen werden müssen um mitzugehen, oder dem anderen nicht die Schippe auf den Kopf zu hauen sowie nicht die Regale  in Supermärkten auszuräumen, sie noch nicht. Das Kind ist der Chef. Der Wille befiehlt.

 

Ich gehe noch einmal weg, lasse sie es klären und hole sie später herein.

Die Mutter hat einen angestrengten Zug um den Mund. Das Kind bekommt ein neues Pflaster, die Mutti von mir einen Lutscher. Jungmutterschaft ist ein anstrengendes Geschäft. Überforderung und Müdigkeit die ständigen Begleiter. Ich versteh es. Und auch die Panik, wenn sich dann eines verletzt hat,  kann ich nachvollziehen. Ebenso den Grant darüber, wenn der andere sich derart hilflos anstellt, dass man schreien möchte.

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Bildquelle: Pixabay

 

 


Der Vater sitzt mit dem Kind auf dem Schoß auf der Liege und wartet, dass der 4-jährige genäht wird. Die Kopfplatzwunde am Hinterkopf ist rasch versorgt. Der Vater macht das gut, ruhig und gelassen.

„Geimpft? Ich weiß es nicht. Das macht alles meine Frau. Die hat es aber nicht so mit dem Impfen. Das findet sie nicht so gut.“

„Einen Lutscher zur Tapferkeitsurkunde? Nein – vielen Dank. Meine Frau mag es nicht, wenn die Kinder so viel Süßkram essen. Wir haben Gummibärchen dabei!“

Er packt die Tüte  aus  und der Junge greift beherzt zu. 

Ich überlege immer noch, wo der Unterschied zwischen Zucker und Zucker sein mag. Vielleicht die längere Verweildauer? Ich komm nicht drauf.


 

Und so geht es den ganzen Nachmittag munter weiter.

Soziologische Feldstudie in Sachen Elternschaft und Umgang mit Blessuren. Höchst spannend und lehrreich. Aber das erwähnte ich schon.  Ich bin trotzdem froh, dass wir in unser Klinik keine Kinderstation haben.

Am liebsten möchte man (ich)  manchen Eltern über die Haare streichen oder sie in den Arm nehmen und sagen: „Alles wird gut. Keine Panik. Das verwächst sich wieder. Habt keine Angst. Macht euch nicht so viele Sorgen. Das wird schon!“

Und manchmal möchte ich sie schütteln.

 

 

 

 

 

 

Was schön war

Nächstes Jahr wird sie 90 Jahre – sehe ich in den Akten. Ein Lob auf klare Zahlen. 1928 lässt sich gut rechenen.

Aber heute ist sie es nicht. Heute liegt sie wegen „Herzklabuster“ im Krankenhaus  und soll von mir ein Kontroll EKG geschrieben bekommen.

Der 89. Geburtstag naht in wenigen Tagen und wir plaudern ein wenig, während ich ihr ein EKG schreibe.

Ich plaudere gerne dabei. Die Arbeit ist Routine. Das geht so „nebenher“ und fast unbemerkt. Und wenn die Datenübertragung mal länger dauert (Die Digitalisierung ist längst nicht so optimiert wie alle immer sagen), macht das gar nichts. Wir plaudern.

„Haben sie war geplant? Feier oder Tür zu?“

„Ach – gehn sie mir weg mit Feiern. Ich bin froh, wenn ich meine Ruhe habe. Udn außerdem weiß man ja nie, was der neue Tag in meinem Alter bringt.“

„Das stimmt.Aber sie sehen nicht aus, als wüssten Sie nicht auch das Leben  zu feiern.“

Der allumgreifende Pflegeblick hat erfasst: Das Haar ist hübsch onduliert, die Haut gepflegt, der Blick wach und mit einem gewissen Schalk im Auge, die Nägel an Hand und Fuß tiptop. So sieht keine aus, die immerzu gerne ihre Ruhe hat.

„Vielleicht kommen meine Urenkel. Ich hab acht!“

„Holla!“

„Ja – dabei hat es ganz klein angefangen. Ich hatte nur eine Tochter. Sie bekam drei Kinder. Und die alle zusammen acht Urnenkel.“

„Das ist ja wie beim Stammvater Abraham. Damals, als er die Sterne zählen musste um zu erfahren, wieviele Nachfahren er bekommen wird. Während seine alte Frau Sara sich daheim grämte, weil sie immer noch keine Kinder bekommen hatte.“

Sie kichert. Sie kennt die biblische Geschichte scheinbar auch.

„Genauso!“

Nun heißt es ja immer, Religion sei wie ein Penis. Privatsache. Hübsch versteckt in der Hose. Damit wedelt man nicht in der Öffentlichkeit herum. Und wenn man sich die Welt so anschaut, ist das vielleicht nicht unbedingt die schlechteste Idee. Vor allem „Penisvergleiche“ sind erschreckend ohne Ende – um mal bei diesem Bild zu bleiben, wenn man die derzeitige Weltlage betrachtet.

Gleichwohl glaube ich, dass ein Glaube  oder Spiritualität  zum Wesen des Menschen gehören. Die Frage nach dem „Woher“ und „Wohin“, nach einem Sinn treibt sie/uns alle an. Und oft habe ich es erlebt, wie  aus Atheisten betenden Menschen wurden bei einem Aufenthalt im Krankenhaus und einer erschreckenden Diagnose.

Die einen beten, andere suchen ihr Heil in Chiasamen und Yoga.

Religion und Glaube – an was auch immer – gehört  zu dem Bestandteil vieler Menschen. Auch zu meinem. Und den „Alten“, die damit viel mehr aufwuchsen, sowieso.

Ich bin wiederum ein „Produkt“ meiner Erziehung. Ich bin mit den biblischen Geschichten groß geworden, wie heute die Kinder mit Disney und Minions. Ich liebe die Geschichten. Sie sind ein Schatz  für mich, den ich in meinem Herze bewege und bewahre.

Ich schaue auf ihren Namen. Martha heißt sie. Ich mag den Namen sehr. Eine Freundin heißt so, die ich sehr verehre.

„So ein schöner Name!“

„Auf keinen Fall,“ widerspricht sie und lobt indes meinen Namen, den ich mit den Jahren zu mögen lernte.

„Was bin ich mit dem Namen früher immer verarscht worden. Das steht ja auch in der Bibel: Martha, Martha, du hast viel Sorge und Mühe…“

„… Eins aber ist Not. Maria hat das gute Teil erwählt. Das soll nicht von ihr genommen werden.“, ergänze ich fast automatisch.

Sie kichert wieder. Es ist, wie wenn ich mit meinen Kindern heute Luis de Funes spiele:

Immerwährend: Nein. Doch Ohh!

Ein Blick in die Augen: Wir verstehen uns.

Wir reden über die Geschichte aus der Bibel, die wir beide nicht nachvollziehen können, über Namen, Hausfrauendeppenjobs, Kinder und Trubel in der Bude.

„Es war mit ein Vergnügen!“, bedanke ich mich zum Abschied. „Und mir erst!“, antwortet sie.

Wir sind miteinander verbunden. Und das ist das Schönste, was man in der Begegnung mit Menschen haben kann.

„Du immer mit deiner Alltagstheologie“, sagt eine Freundin, als ich davon erzähle. „Ich möchte mal wissen, wie du das machst.“

Sie grinst. Sie ist Theologin.

Ein halber Pulli

Ich konnte mein 20 jähriges Dienstjubiläum feiern. Also nicht richtig, weil ich zur eigentlichen Feierstunde nicht zugegen war.

Auf einem Zettel habe ich also nicht angekreuzt, dass ich komme, sowie der Freigabe von Fotomaterialien zustimmen, noch bei einem geselligen Beisammensein mit anderen alten Schachteln Jubilaren zugegen sein würde.

Fast war ich untröstlich. Das schöne Händeschütteln, der Fototermin, der kleine Empfang mit alle den wichtigen Menschen der Klinik fiel also aus Terminschwierigkeiten für mich aus.

Aber das macht ja nichts. Ein Dankeschön reicht! Das erwärmt das Herz und bezaubert den Verstand.

Doch man hatte mich nicht vergessen.

Heute kam ein dicker Briefumschlag in DIN A 4 Format. Der Gatte dachte schon wunderwelts, was das sein mochte. So hochoffizielle Post vom Arbeitgeber in diesem Format bekommt man nicht oft.

Drinnen war eine güldene Hülle, eine auf Büttenpapier geprägte Urkunde, ein handlich zusammengerollter, roter Teppich sowie überschwängliche Danksagungen für die letzten 20 Jahre. Und ein dicker Scheck.

Vor Freude fielen mein Gatte und ich uns – mit Tränen in den Augen – in die Arme.

Das ist die Anerkennung, die man sich wünscht. Eine Annerkennung, die Freude macht. Eine Annerkennung, die ihresgleichen sucht.

Dann sahen wir genauer hin.

Die Hülle war aus Pappe, die Urkunde aus etwas festerem Papier, der dicke Scheck entpuppte sich als Citygutschein. Dreimal 10 Euro.

„Das ist doch Ironie?“, fragte mich die 87-jährige Omma des Herzens, als ich mit ihr zum Einkaufen fuhr, damit sie es etwas leichter hat im Leben. „Oder? Das kann doch nur Ironie sein. Oder soll das deinen Wert darstellen, nach 20 Jahren?“

Schnell – ein Witzchen:

Treffen auch drei Freundinnen und stellen fest, dass sie alle Dienstjubiläum hatten.
„Das war super!“, sagt die erste. „Von meiner Gratifikation habe ich mir ein neues Auto gekauft.“
„Spitze!“, sagt die nächste. „Ich hab mir zwei Wochen Griechenland gegönnt. Fett mit Pool und Komfort – und zurück.“
„Und du?“, fragen beide. „Was hast du bekommen?“
„Einen Pulli!“
„Und den Rest?“
“Den hat meine Mutter bezahlt! „

Ach Freunde, in der Pflege darf man nicht in solchen bürgerlichen Kategorien denken. Da muss man mit Herz, Liebe und Gedöns zufrieden sein. Das „Dankeschön“ unsere zufriedenen Kunden sollte uns reichen. Und wem das nicht passt, der kann ja gehen – sagt der Sandro.

Ironie?

Ich glaube nicht. Es ist die Geste, die zählt – nicht wahr?

Nach vier Stunden Öffnen dieses Briefes bin ich immer noch nicht sicher, ob ich lachen oder weinen soll. Lachen, weil ein „gut gemeint“  gleichzeitig „schlecht gemacht“ sein kann. Weil sich Arbeitgeber über den Wert langjähriger Mitarbeiter wirklich nicht im Klaren zu sein scheinen  (und das in Zeiten eines fiesen Pflegenotstandes).  Weil es einfach lächerlich ist, dreimal 10 Euro beizulegen.

Da wäre ne Tüte Gummibärchen, ein halbes Jahr Brötchenservice an freien  Wochenenden (da kämen sie weitaus günstiger sogar *hemmungsloses Gelächter*), oder auch „nichts“ irgendwie cooler gewesen. Ich undankbares Ding aber auch.

So bleibe ich ratlos zurück und überdenke nun meinen Wert.

Vielleicht  lasse ich mir von all dem Zaster ein T-Shirt drucken? Falls es nicht reichen sollte, könnte ich immer noch meine Mutter anpumpen.

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„Dreißig Euro! Das ist doch super!“, sagt mein Sohn, der die Omma des Herzen mit zum Einkaufen begleitete. Er bekam von ihr eine Tüte Chips und 5 Euro als Dankeschön. Weil sie sich so gefreut hatte, dass er half und da war. Das Einkaufen dauerte 45 Minuten.

 

 

 

 

 

Wer bin ich?

Ein Gedicht, dass mich fast schon mein ganzes Leben begleitet und tief berührt ist „Wer bin ich?“  von dem Widerstandskämpfer und Theologen Dietrich Bonhoeffer. Er schrieb es als Gefangener in einer Zelle Berliner Militärgefängnisses.
Wer bin ich?
Sie sagen mir oft,
ich träte aus meiner Zelle
gelassen und heiter und fest
wie ein Gutsherr aus seinem Schloss
 
Wer bin ich?
Sie sagen mir oft,
ich spräche mit meinen Bewachern
frei und freundlich und klar,
als hätte ich zu gebieten.
Wer bin ich?
Sie sagen mir auch,
ich trüge die Tage des Unglücks
gleichmütig, lächelnd und stolz,
wie einer, der Siegen gewohnt ist.
Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen?
Oder bin ich nur das, was ich selbst von mir weiß?
Unruhig, sehnsüchtig, krank, wie ein Vogel im Käfig,
ringend nach Lebensatem, als würgte mir einer die Kehle,
hungernd nach Farben, nach Blumen, nach Vogelstimmen,
dürstend nach guten Worten, nach menschli
cher Nähe, zitternd vor Zorn über Willkür und kleinlichste Kränkung,
umgetrieben vom Warten auf große Dinge,
ohnmächtig bangend um Freunde in endloser Ferne,
müde und leer zum Beten, zum Denken, zum Schaffen,
matt und bereit, von allem Abschied zu nehmen?
Wer bin ich?
Der oder jener?
Bin ich denn heute dieser und morgen ein andrer?
Bin ich beides zugleich?
Vor Menschen ein Heuchler und vor mir selbst ein verächtlich wehleidiger Schwächling?
Oder gleicht, was in mir noch ist, dem geschlagenen Heer,
das in Unordnung weicht vor schon gewonnenem Sieg?
Wer bin ich?
Einsames Fragen treibt mit mir Spott.
Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott! (Dietrich Bonhoeffer)
Ich habe diese wunderbar, berührende Gedicht ein wenig umgeschrieben. Natürlich lässt sich die Situation der Pflege nicht mit den Gräueltaten der NS-Zeit vergleichen. Mit geht es hier um die Frage alle Fragen.
Der äußere Schein, der gewahrt werden will und muss und das Innenleben harmonieren nicht immer – um es mal vorsichtig zu formulieren.Und das müssen sie auch nicht. Der Mensch lebt nun mal eben in diesem Spannungsverhältnis. #isso.
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Bildquelle: Pixabay
Wer bin ich als Pflegeperson?
Wer bin ich?
Sie sagen mir oft,
ich liefe über die Flure der Notaufnahme
gelassen und kompetent und mit Humor gesegnet
wie eine Gutsherrin aus seinem Schloss.
 
Wer bin ich?
Sie sagen mir oft,
ich spräche mit Kollegen, Ärzten, Patienten und Angehörigen
frei und freundlich und klar,
als hätte ich zu gebieten.
Wer bin ich?
Sie sagen mir auch,
ich trüge die Tage des Stresses
gleichmütig, lächelnd und scherzend,
wie eine, die Siegen gewohnt ist.
Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen?
Oder bin ich nur das, was ich selbst von mir weiß?
Unruhig, sehnsüchtig, gestresst, wie ein Vogel im Käfig, ringend nach den nächsten freien Tagen, als würgte mir einer die Kehle,
hungernd nach maßvollem Handeln der Ärzte, nach einem Dankeschön, nach Gummibärchen,
dürstend nach Annerkennung, nach Kollegen, mit denen man gerne und gut arbeiten kann, zitternd vor Zorn über Willkür und kleinlichste Kränkung,
umgetrieben vom Warten auf große Dinge,
ohnmächtig bangend um Patienten in kritischem Zustand
müde und leer zum Beten, zum Denken, zum Schaffen,
matt und bereit, von der Pflege Abschied zu nehmen?
Wer bin ich?
 
Bin ich denn heute diese und morgen eine andere?
Bin ich beides zugleich?
Vor Menschen ein Heuchler und vor mir selbst ein verächtlich wehleidiger Schwächling?
Wer bin ich? Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott! (Notaufnahmeschwester/Dietrich Bonhoeffer)

Mein Leben als Influencerin

Manchmal träume ich davon, wie ich mein wunderbares Leben noch wunderbarer machen könnte. Wie ich stinkreich werden würde. Auch in  – oder trotz – Pflege.

(Ich überhöre das hemmungsloses Gelächter vom Pflegepersonal)

Influencer müsste man sein! (Das ist keine Grippe – das sind äußerst wichtige Menschen, die unfassbar bedeutende Dinge machen. Heißt es.)
Wenn man „Pflege-Influencerin“ wäre, würde alle Welt wissen wollen, was man zum Frühstück isst (Werbung für Frühstücksflocken= Zaster), mit welchem Duschbad man sich erfrischt (Werbung=Zaster), womit man seine geschmeidige Dienstkleidung aufpeppt (Ihr ahnt es: Werbung= Zaster) sowie an welchem Getränk man nach Dienstschluss nippt oder es sich in die Kehle schüttet – je nach Arbeitsaufkommen. Ich würde einen Hashtag nach dem anderen reinknallen und anschließend die Hand für meine monetäre Vergütung aufhalten.

Am Abend würde ich  in einem gesponserten, hübschen Kleidchen auf irgendwelchen wichtigen Feier lustwandeln und angeregt, aber in lockerem Ton über die Wichtigkeit der Pflege plaudern. Das müsste ganz leicht daherkommen, denn in seiner Freizeit  möchte sich keiner mit schwerwiegenden Problemen befassen. Auch lustig sollte es sein- aber da mangelt es mir an Themen ja nicht wirklich. Und auch ein bisschen ernsthaft. Man möchte ja die Menschen „draußen“ auch ein bisschen sensibilisieren. Aufmerksam machen.

Es würde also laufen – in meinem Job als Pflegeinfluencerin

Die Werbewelt würde endlich feststellen, dass wir unfassbar viele Menschen in Gesundheitsberufen – vor allem Frauen – sind. Und für die dreht es sich nach Feierabend ebenfalls um so wichtige Dinge wie:

  • Welcher Nagellack hält wirklich an freien Tagen?
  • Was für ein Nagellackentferner entfernt wirklich alles gründlich und schnell, ist dabei aber gleichzeitig schonend? ( Drei Minuten vor Dienstbeginn muss es schon mal schnell gehen, weil man es irgendwie verschlafen hat, sich Knallrot, Rubinmatt oder „Sinners Mood“ rechtzeitig vom Nagel zu kratzen.)
  • Welches Make-Up kann ich auch an heißen und stressigen Tagen bedenkenlos tragen?
  • Welche Wimperntusche verläuft nicht, wenn der hübsche, heiße Arzt/Pfleger/Verwaltungstyp um die Ecke kommt?
  • In welchem Entspannungsbad  aalt sich das Gesundheitspersonal am besten?
  • Welche Hydro-Energy-Maske beseitigt die Spuren des Nachtdienstes am schnellsten?
  • Welche Schuhe sind so bequem wie hübsch und entsprechen auch dem noch dem Standard der Arbeitssicherheit?
  • Welche Unterwäsche klebt nicht am Körper?
  • Welcher Energyriegel gibt wirklich Power an einem anstrengenden Tag?
  • Welches Getränk macht müdes Pflegepersonal munter?
  • Was hilft gegen „Quellwasserbeine“?
  • Welcher Instandscheiß verspricht schnellste Sättigung?

Merkt Ihr war?

Mit der Macht der Pflege würden Umsätze steigen, weil hier jemand aus Fleisch und Blut – also quasi total authentisch – (da wird ja immer wahnsinnig Wert drauf gelegt) – spricht/schreibt/vor sich hin blubbert/vlogt/bloggt.

Eine*r von vielen.

Dann kam die Coral – Werbung.

Was hab ich mich amüsiert über diese Bilchen von irgendwelchen Stars,  die so porentiefc rein und unschuldig mit ihrer Flasche Waschmittel im Bett sitzen oder auf Rädern mit völlig unangebrachten, unpraktischen Fahrradkörben? Das alles könnt ihr hier nachlesen. Es ist kurios wie albern. So dämlich, wie lustig. Mein Humorzentrum hat es jedenfalls getroffen.

Das, was da Coral gemacht hat, könnte Pflege auch. Locker aus der Hüfte.

 

Ich  habe – aus reine Lust und Freude (Ohne Zaster – wie schade. Ich hätte die Firma mal anschreiben sollen) tatsächlich eine Falsche Coral mit in die Notaufnahme genommen, um blödsinnige Werbung nachzuspielen.

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So weiß wird es nur mit Coral

 

Coralwerbung
Was in keiner gut sortierten Notaufnahme fehlen darf…

 

Coralwerbung
Strahlende Sauberkeit im Wäscheschrank – dank Coral!
Coralwerbung
Mit Coral würde das nicht passieren!

 

Liebe Werbungsfuzzis: Merkt ihr, was euch entgeht?

Ein gigantisch, zahlreiches Publikum geht euch durch die Lappen, weil ihr wenig zielorientiert seid. Die meisten Menschen verlassen sich darauf, was ihre Freunde/ Kollegen empfehlen und mögen. Ihre Erfahrungswerte sind es, die Kaufentscheidungen prägen.

Nicht Püppchen, die in der Gegend mit ihrer Pulle Waschmittel sitzen. Nicht hübsche Bengels, die vor der Waschmaschine hocken oder vor Graffitis stehen.

 

Ach ja. So wäre das. Mein aufregendes Leben als Influencerin. Aber wann hat Werbung jemals auf Kunden gehört? Und wann ist jemals eine*r aus der Pflege reich geworden?

 

 

Rücken richten, weitergehen

Geistige Bäuerchen und ein Plasterküsschen

Ich bin ja immer sehr dafür, Quatsch zu machen.

Das Leben ist ja so ernst und anstrengend mitunter. Da braucht es/ich das zum Ausgleich.

Manches könnt ihr hier im Blog lesen – wie die Geschichte mit der gestalteten Mitte oder dem Laberglas.

Am Sonntagvormittag  war ich ein bisschen im gefühlten Jetlag/ neben der Kappe.

Unter der Woche Nachtdienst und dann am Wochenende gleich wieder Frühdienst – da schlägt das Hirn schon mal Kapriolen. (Und bevor ein besorgter Mensch die Hände über dem Kopf zusammenschlagen möchte wegen der unmenschlichen Arbeitsbedingungen des schnellen Schichtwechsels: Ihr habt alle recht. Diesmal war ich selbst daran Schuld. Ich hatte getauscht. Was an der „neben der Kappe“  nichts ändert. Man kann im Leben halt dies und das nicht ohne das andere haben. Oder so ähnlich)

Der Kollege erzählte von seinen Nachbarn aus dem Haus gegenüber, die so gerne bei geöffneten Fenstern „Leibesübungen“ praktizierten.

Wir witzelten darüber, wie man Haltungsnoten vergeben könnte. Schildchen hoch – wie bei Eiskunstlauf könnte man doch später… also so ganz unverfänglich:

Haltung, Geräusche, Kreativität und dergleichen mehr.

 

Und weil wir gerade so schön dabei waren, fingen wir gleich mal an:

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Dieses „wir fingen gleich mal an“ muss man sich jetzt allersdings als über Stunden hinziehendes „Basteln“ vorstellen. Auch die karge Ausschmückung ist diesem geschuldet. Schließlich kommt ja immer was dazwischen. Patienten. Ärzte. Kollegen. Hier noch ein EKG. Dort noch ein wichtiger Verband. „Natürlich bringe ich ihnen einen Rollstuhl!“ „Und bring noch Blut- und Urinkulturen mit…!“

Wir sind ja nicht (nur) zum Spaß auf der Schicht.

Mehrere Stunden später also hatten wir unsere Schilder zusammen. Und weil der Arzt nicht so recht aus den Puschen kam und uns die Röntgenassistentin anraunzte ( „Voll mies“), verschmolz die Zielgruppe ein wenig.

Dieses ist also daraus geworden: Kommunikation ist out. Schildchen voll in.

„Weiter so“- hielten wir dem Arzt hin, als er einen Patienten nach langer Zeit endlich  „Aufnahmebereit“ meldete.

Wir schoben sogar noch ein „Traumhaft“ hinterher.

Der Kollege schaffte es nicht, einen Zugang zu legen. „Grottig“ ließen wir ihn wissen.

Der Rettungsdienst verlor sich in der Krankengeschichte bis ins 7. Glied. „Schneller“. Er schaute beleidigt. Dabei wusste er doch, wie der Onkel auch an einer ähnlichen Geschichte wie der Patient jetzt litt. Damals. In den 1990- Jahren. „Aha!“

Eine Kollegin kam zum Dienst. „Was ist das denn für ein Quatsch!“, sagte sie mit Kopfschütteln. Wir Kinder aber auch immer!

Nichts anderes war es schließlich. Aber den Sinn und unser Vergnügen darüber konnte sie nicht erkennen. Sie lächelte, wie man übrr ein kleines Kind lächelt, wenn es ein hübsches Bäuerchen macht. Wohlwollend. Hold. Nichts ahnend, wie wichtig so ein (geistiges)“ Bäuerchen sein kann.

Die Welt allerdings war wieder in Ordnung und unser Humorlevel auf höchstem Niveau, als eine andere Kollegin kam, die Schilder mit einem „cool“ kommentierte und sich das „Schneller“-Schild schnappte.

„Das wird dem Doktor heute Nachmittag Beine machte“, grinste sie. Sie schob es sich zuoberst in ihre Kitteltasche, sodass es über allen Kugelschreibern herausschaute. Gut sichtbar.

Genau unser Humor. Bingo.

Plasterküsschen für euch und unsere gemeinsamen geistigen Bäuerchen.

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