Ich zeigte meinem Kollegen die sehr, sehr schöne Advents/Weihnachtslaterne, die ich derzeit gerne in dunklen Abendstunden bastle.

„Schau“, sagte ich. „Schau – wie schön das ist!“

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In der Advenst-und Vorweihnachtszeit habe ich immer den Drang, meinem „Handarbeits-Ich“ nachzugeben. Socken zu stricken , schöne Sternenlichter zusammenpappen oder Puschen filzen: Ich bin dabei!

Gemäß meiner Natur bin ich fröhlich dabei, wenn der Fertigungsprozess nicht zu lange dauert und ein Ergebnis schnell zu erahnen ist. Einen Pullover zu stricken, eine Decke zu patchworken wäre hingegen nichts für mich.

Der Kollege schaute.

Er bedachte möglicherweise die Liebe zur Frau im Herzen. Vielleicht malte er sich schöne, zukünftige Stunden aus, bei dem Gedanken, wie er der Liebsten eine Sternenlaterne auf den liebevoll gedeckten Abendbrottisch stellen würde. (Es würde Abendbrot sein müssen, weil nur dann – in Dunkelheit – aus einer schnöden fünfeckigen Pappschachtel eine großartige Sternenlaterne werden würde.)

„Frau“, – würde er sagen. „Schau wie schön!“

Die Frau würde aufschluchzen vor Freude und mit vor Ergriffenheit zitternden Fingern seinen Kopf zu sich herunterziehen und mit bebenden Lippen küssen. „Oh Mann“, würde sie sagen. „Das ist die schönste Laterne der Welt, die du mir schufst! Bitte heirate mich.“

(Möglicherweise bring ich da jetzt auch was durcheinander und es sind in Wahrheit meine Gedanken und Worte der Freude, die aus mir sprechen würden, wenn der Gatte mir so etwas schenken würde. Ach richtig- wir sind ja schon verheiratet.)

So oder so: Der Kollege sprach: „Notaufnahmeschwester! Lass uns zusammen basteln!“

Weil ich ungern jemandes Liebesglück im Wege stehen will, verabredeten wir uns zu fröhlichen Bastelstunde an meinem heimischen Küchentisch. Es war kalt draußen. Drinnen es gab heiße Getränke und ein Butterbrötchen. Denn im Bastelmodus kann man schnell dehydrieren oder gar verhungern. Eine Kollegin fand sich ebenfalls noch ein, die deutlich im DIY höher steht als wir. Wir waren bestens gerüstet.

Nach meinem Leben als Influencerin kommt nun als mein neues Leben als DIY- Schnalle. Morgen die Weltherrschaft!

 

Sternenlaterne

Zutaten:

Einen Bogen Tonpapier
Bleistift
Schere
Lineal
Klebstoff
Festes Papier für die Schablone

 

Anleitung
1. Übertragt das Fünfeck (http://www.kinder-malvorlagen.com/vorlagen-pdf-herunterladen/formen-muster/formen-fuenfeck-pentagon.pdf) auf festen Karton und benutzen Sie es als Schablone. Zeichne mit Hilfe dieser Schablone 11 Fünfecke auf Tonpapier und schneide sie aus.

 

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Deutlich die Unterschiede:  Links das Tonpapier der bastelerprobte, sparsam agierenden DIY-Kollegin. Rechts der Bogen des begeisterungsfähigen, aber bastelunschuldigen Kollegen.

Markiere die Mitte jeder Seite. Falte die fünf Ecken genau zwischen den Markierungen zum Mittelpunkt. Durch diese Faltung ist auf der Grundfläche eine fünfstrahlige Sternkontur zu sehen. Falte so alle ausgeschnittenen Fünfecke.

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Nicht im Bild: Die Zunge im Mundwinkel als Zeichen höchster Konzentration.

2. Nun beginne mit dem Zusammenkleben der Laterne. Lege dazu ein auseinandergefaltetes Fünfeck vor sich auf den Tisch. Lege nun ein weiteres Fünfeck so darüber, dass beide in einer Faltung übereinander liegen. Klebe die Spitze des zweiten Fünfecks im Boden fest. Die Spitze des Bodens klebst du an die Rückseite des zweiten Fünfecks. Vier weitere Fünfecke werden genauso mit dem Boden der Laterne verbunden. Nun ist am Boden der Laterne der erste Stern entstanden. Halten Sie das Gebilde gegen das Licht. Klebe nun ebenfalls die Seiten im Knick übereinander – das ergibt sich automatisch. Die Laterne nimmt Form an.

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„Kollege“, kichert die Kollegin. „Du musst besser „pappen“! Sonst wird das nix mit deinem Muster!“

3. Die letzten 5 Fünfecke werden auf die gleiche Art oben an den Ring geklebt. Die dabei verbleibenden fünf Spitzen, die nach oben zeigen, werden als Abschluss nach innen gefaltet und festgeklebt.

4. Lass alles gut trocken, bepinsel die Laterne mit einem Pinsel mit Speiseöl ein (Oder mit den Fingern). Das überschüssige Öl kannst du abtupfen. Dadurch wird sie transparenter.

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Im Öl-Wettbewerb. Was wir besser – Pinsel oder Finger?

Lasse sie auf Küchenkrepp trocknen. Fertig ist die Adventssternenlaterne. Teelicht rein und Staunen wegen der Schönheit.

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„Das ist schwieriger, als ich es mir je vorstellte!“, seufzt der tapfere Kollege mit ölverschmierten Händen.

„Liebe wird dein Lohn sein!“, so bin ich mir sicher.

Wohlgemut gingen wir auseinander, ein jeder seinem Tagwerk nach. In den Händen eine Laterne – noch ohne Licht.

Nach der Spätschicht schrieb er mir:

 

Trotz dieses Misserfolges wollen wir weiter basteln. Irgendwann werden wir was basteln, dass selbst die Liebste des Kollegen von den Socken hauen wird. Und dann wird sie aufschluchzen vor Freude und mit vor Ergriffenheit zitternden Fingern seinen Kopf zu sich herunterziehen und mit bebenden Lippen küssen. „Oh Mann“, wird sie sagen. „Das ist die schönste Laterne der Welt, die du mir schufst! Bitte heirate mich.“

 

 

 

 

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