Einmal strich eine Kollegin ihre Stube in einem zarten Gelbton. Ihr Freund nannte es zärtlich und möglicherweise mit einem Anflug von Spott in der Stimme „Schiffrandgelb“. Ich wusste lange nicht, wie er das nun genau meinte. Ähnlich wie Altbaucharme oder Brathering. Na- ihr wisst ja.

Aus dem Lexikon der erklärungsbedürftigen Wörter: Schiffrand, der: Farbliches, oftmals geruchsintensives Überbleibsel im Schlüppi, der sich bei nicht ausreichender Körperhygiene in den Fasern verfängt.

Nun.  *räusper*  Es hat nie einer gesagt, dass es im menschlichen Bereich immer lecker zugeht.

 

Nun lag da also dieser eine Kamerad auf der Liege und schnachte, was das Zeugs hielt. Mit jedem Ausatmen vernebelte sich die Luft in schwer alkoholische Wolken. Die Sonnenbrille (verspiegelt) hing ein wenig schief auf der Nase. Wir drehten ihn auf die Seite. Falls er auch noch brechen sollte/ wollte. Sehr praktisch, wenn die Patienten einen dicken Ledergürtel tragen. Es erleichtert die Arbeit ungemein.

Die Hose war nass. Wie so oft.

Sprechen konnte er nicht mehr mit uns. Far, far away my dear.

Wurscht.

EKG, Vitalwerte ermitteln, Blutabnahme, schlafen lassen. Um Himmels Willen bloß schlafen lassen. Man weiß nie, wie schnell oder ob sich ein friedlich, schlummerndes Wesen von jetzt auf gleich in eine aggressive Furie verwandeln kann in 3 -2-1 go.

Und dann ist die Frage aller Fragen: Ausziehen oder lassen?  Ich gebe es zu: Ich bin für eher für „lassen“. Am nächsten Tag hab ich schon – gefühlt – unfassbar viele von ihnen in ihren alten, versifften und durchzechten Klamotten von dannen ziehen sehen.

Es kam die freundliche Kollegin von der Intensivstation, ihn abzuholen.

„Du musst ihn nicht ausziehen. Dann mach ich das eben unten. Aber so kann er ja nicht bleiben. Ist ja alles nass.“

„… Nicht, dass er sich zu seiner Alkoholvergiftung noch einen Schnupfen holt?“ *Scherz*

„Ach- du weißt doch, wie es ist!“

Jajajajajaj. Ich weiß wie es ist. Auch wenn ich es lieber nicht wüsste. Man kümmert sich. Man zieht aus. Man sorgt und hegt und pflegt.

 

Wet_n

 

Also haben wir uns daran gemacht, den Schnachenden auszuziehen. Die Hose war deshalb so nass, weil gleich mal an der Unterhose gespart wurde. Es sackerte alles direkt in Hose und Socken sowie Schuhe ab.

Es quietschte fast ein bisschen, als wir die Schuhe auszogen (Echtes Leder).

Die Socken waren auf einem Fuß doppelt. Nasse Socken auf nasser Haut lassen sich schwer ausziehen. von wegen – wusch – und weg. Zwei Socken erschweren alles ungleich mehr.

Und dann – als ich es endlich geschafft hatte, trudelten matt vier Scheinchen auf den Boden, die sich zwischen den beiden Socken versteckt hielten.

400 pitschnasse Euro. Schiffrandsocken – prall gefüllt mit schnödem Mammon.

 

Holla!

Lattenstramm, aber 400 Euro im Doppelsocken. Das ist viel Geld für einen gehörigen Nachdurstschluck.

Wertgegenständeverwaltung ausfüllen, Patienten bequem und ohne Tamtam ins Bett rollen. Decke drüber.

Was mag das wohl für ein Mensch sein? Lederschuhe, verspiegelte Sonnenbrille einer namhaften Firma. Keine Unterbüx,  dafür ein Zastersockenversteck. Interessant.

 

Und dann die Fragen aller Fragen (zumindest für mich):

Sollte man beim nächsten Mal Geld holen besser Handschuhe mitnehmen? Man weiß schließlich nicht, woher die Scheinchen kommen. Am Ende aus Schiffrandsocken?

Und obwohl ich in vielerlei Hinsicht hartgesotten und unerschrocken bin: irgendwie schüttelt es mich da. Pantomimischen Herpes – ick hör dir anschleichen.

So ist das mit dem Schaudern und dem Ekel. Es trifft dich immer dann, wenn du es am wenigsten erwartest. Unerschroclken wischst du sämtliche Körperflüssigkeiten beiseite ohne mit der Wimper zu zucken.

Bei prallgefüllten Schiffrandsocken hört es allerdings bei mir auf. *Für Sie getestet*.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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