Heute habe ich habe sie springen und liegen sehen.

Ist der Sommer etwa schon rum? Ja – ist es schon wieder so weit? Aus die Maus mit dem Schwimmbad? Dem langen Sitzen auf dem Balkon? Dem Zuhören, wie mir der Schweiß von der Stirn tropft? Sollte ich endlich meine kurze, geliebte Hose wieder in den Schrank legen und zu einem längeren Beinkleid zurückgreifen?

Herrje. Ich hatte mich gerade so schön daran gewöhnt.

Vor allem an das Frühschwimmen. Bevor die Welt erwacht, kann man im heimischen Freibad seine Runden drehen. Aber mitten in der Woche war der Monatswechsel. Und da stellt das Schwimmbad normalerweise dieses Angebot von 7 Uhr bis halb 9 Uhr ein. Haben sie aber netterweise nicht. Und das war ein großes Glück, denn nun habe ich – wie Frederick die Maus –  eine neue, wunderbare Erinnerung mit meiner Kollegin. Für kalte Herbst- und Wintertage. Und überhaupt. Es braucht gemeinsame Erlebnisse. Sie schmieden zusammen.

 

Die Kollegin und ich beschlossen, nach der Nachtschicht schwimmen zu gehen. Voll sportlich und so. Und sehr, sehr tapfer. Denn die Nächte sind mittlerweile tatsächlich  eher so…. kühl.

12 ° zeigte das Thermometer, als wir nach der Übergabe noch ein Käffchen tranken und uns auf den Weg machten.

Vor dem Schwimmbad standen schon all die anderen Angeber und Hartgesottenen  – wie wir – und warteten auf Einlass. Die Sonne war noch nicht richtig aufgegangen. Die Luft roch leicht nach Herbst.

Der Bademeister schloß auf, die Sportler liefen los, die Kollegin und ich gemächlich hinterher. Freunde – wir durften das. Wir hatten Nachtschicht. Da darf man fast alles. Schleichen. Trödeln. Langsam schauen.

Ich bin – durch jahrelange Übung – umziehtechnisch die schnellste Maus von Mexiko. (oder wie manche Kollegen sagen: Ab durch  die Umkleide/Zaubertür wie seinerzeit bei Marijke Amado in der Miniplaybackshow und schon umgezogen fix und fertig!)

Meine Kollegin brauchte etwas länger. Als sie aus der Umkleide trat, nickte ich anerkennend. Badeschlappen („Original aus meiner Kindheit!“) und Bademäntelchen. Mein lieber Scholli. Ich war beeindruckt. Ich habe weder das eine, noch das andere.

Darf ich noch mal an die 12 ° erinnern? Unsere Gänsehaut erinnerte uns auch daran. Wir überlegten, wer von uns beiden diese bescheuerte Idee nun eigentlich hatte. Wir hätten schon längst im warmen Bett liegen können. Sie mit Wärmflasche, ich mit Wärmflasche 2.0. – eine Stufen -und zeitregulierende Heizdecke.

Aber nix da. Erinnerungen müssen erarbeitet werden. Haare hoch, Schwimmbrille auf. Das Wasser war …. frisch. Aber wärmer als die Luft. Immerhin.

Ich liebe diese Frühschwimmen. Das Wasser liegt wie ein glatter, blauer Spiegel vor einem. In der Ferne hört man vielleicht einen Rasenmäher und es duftet leicht nach gemähtem Gras. Die Vögel quatschen miteinander und begrüßen möglicherweise den neuen Tag und die Schwimmer pritscheln leise vor sich hin.

Wir pritschelten mit.

Hinter dem Heckenrosengebüsch stieg stetig die Sonne auf. Wölkchen trieben am Himmel. Eigentlich war es perfekt. Eigentlich war es sehr perfekt.

10° mehr wären nicht auszuhalten gewesen.

Wir schwommen und schimmten und schwummten bis meiner Kollegin die Lippen blau anliefen und sie unter der heiße Dusche verschwand.

Jetzt ist er wohl rum – der Sommer.

Adieu, sagte die Nachtnotaufnahmeschwester leise, als sie in den kühlen Morgen trat. Adieu Frühschwimmen.

Bis nächstes Jahr. Wenn Gott will und wir leben.

 

Advertisements