13701073_2051256538432957_6741637946334956328_o
Emma – oder Elise verfügte über einen Kassettenrekorder. Astrein!

Es  war soweit: Kurstreffen nach 25 Jahren ( Wie mein Leben als Schülerin damals war, könnt ihr hier noch einmal nachlesen)

Oder wie meine Freundin sagte: „Sag mal – wann bist du eigentlich so alt geworden?“

Altersentsprechend war auch das Auto, mit dem mich meine ehemalige Zimmernachbarin von der anderen Seite des Schwesternwohnheimflures abholte. „Das ist Emma“, stellte sie ihr Auto vor. (Mist – vielleicht war es auch Elise. Ich kann mich nicht mehr erinnern. Das muss das Alter sein, von dem alle sprechen).

Autos mit Namen? Ich war entzückt. So etwas hatte ich schon lange nicht mehr gehört! Voll retro. Falsch. Man sagt heute vintage. Passend dazu der Kassettenrekorder. Ich kann mich nicht mehr erinnern, wann ich zuletzt einen in einem Auto gesehen habe. Jetzt noch ein Zettelchen mit Kringeln statt Punkte über dem i – und ich wäre voll drinnen in der Zeit damals gewesen

„Lass uns lieber Landstraße als Autobahn fahren!, sagte sie. „Da ist immer Stau!“

„Quatsch!“, sagte ich. „Ich fahre das jede Woche. Ich stand noch nie im Stau!“

Ratet wer im Stau stand? Emma/Elise, meine Kurskollegin und ich.

Und ich erinnerte mich, dass ich schon damals immer die überzeugendsten Argumente hatte. (Unnette Menschen würden es weniger elegant und freundlich ausdrücken – aber solche Menschen kenne ich ja überhaupt nicht!)

Sie – die etwas zaghaftere, ich die „vorpreschende“. Marke: Freunde, wo steht das Klavier? Nix geändert. Machte aber nichts – denn wie damals entstand hier auch Gutes daraus. Wir hatten Zeit zum plaudern. Wo wir gerade stehen im Leben, Kollegen, Situationen, Familienstand und die Tücken des Alltags und alles,  was man eben so durch spricht. Es war sehr reizend.

Pünktlich fast eine Stunde zu spät kamen wir an.

Und da saßen sie. Meine Kurskameraden von einst. Grauhaarig die einen, frisch gefärbt die anderen. Saftschorlen auf dem Tisch oder Mineralwasser. Madame „wo steht das Klavier“ holte sich ein Bier.

Kennt ihr das, wo einen Erinnerungen so „rubbel die Katz`“ einholen, dass man sich schnell ein verstohlenes Tränchen aus den Augen zwinkern muss? Oberrührung. Himmel hilf! Oder einen Witz? Schnell einen Witz. (Ich bin Profi darin!)

Achtung: Witz (auch voll retro)

Der Apotheker hat es satt, dass das Häschen ihn immer ärgert und sagt zum Häschen: „So, ich schenke dir meine Apotheke“
Am nächsten Tag kommt der alte Apotheker in die Apotheke und fragt: „Haddu Möhrchen?“
Da antwortet Häschen: „Ja, aber haddu auch  Rezept?“

Einem Kind würde man in die Backen kneifen wollen und sagen: Mei – du bist aber groß geworden.

Und wie bei der Besitzerin von Emma/Elise „erkannten“ wir uns wieder. Manche Charaktereigenschaften lassen sich nicht verleugnen.

So saßen wir um den immer voller werdenden Tisch. Torte. Belegte Brote. Sonnenschein über uns. Unser Quotenpfleger kam nicht. Es kann ja auch keiner ahnen, das der lang angekündigte Tag so plötzlich kommt. Sorry. Dienst halt. Eine schrieb an der Sonntagspredigt  – sie ist die einzige, die nicht mehr in diesem Beruf arbeitet. Einer war die Anreise zu lang – zumal sie eine Woche vorher in der Gegend zum Familienbesuch war. Dafür kam eine von noch weiter her: Afrika ist nicht zu toppen in der Anreise. BÄM!

25 Jahre später sind fast alle noch Krankenschwestern- und Pfleger. Angesichts der  vielen Frustrationen/ Burn out/ ich mach sofort was anderes!!!!/ Arbeitsbelastungen  in diesem Beruf ist das schon fast ein Wunder.

„Gut“ – sagte eine. „In Wahrheit sind wir ja nur Hobbyschwestern.“

Die allerwenigsten arbeiten Vollzeit. 50 % ist die Regel. Vielleicht ist das das Geheimnis, warum sie noch dabei  geblieben sind. Aber die Mädels von früher haben alle ,nebenbei‘ Familie mit durchschnittlichen drei Kindern. Oder wie eine sagte: „Wenn mir das damals jemand gesagt hätte, dass ich mal drei Kinder haben würde – ich hätte ihn ausgelacht! Schallend!“

Dazu kommt die „Care Falle„. Fast alle haben sie Kinder mittlerweile  großgezogen, nebenbei gearbeitet und jetzt kommt im Drehtüreffekt die Omma, die Schwiegermutter, der Oppa  herein – wo die Kinder gerade den Auszug vorbereiten. „Reden wir nicht drüber!“, sagte eine und senkt die Augen. Es scheint nicht die Idylle der Großfamilie zu sein. Es scheint mühsam, frustrierend und nervenaufreibend zu sein. „Da ist arbeiten gehen richtig entspannend! Manchmal wünschte ich, ich würde mehr arbeiten können – aber versorgt dann die Leute daheim?“ „Dein Mann?“ *schnaubendes Geräusch*. Das scheint keine Option zu sein.

Einigen scheint der Job immer noch Spaß zu machen. Andere sagen: „Wenn ich wüsste, was ich sonst noch machen kann – ich würde es machen. Aber mir fällt nichts ein.“

Und zwischen auch diesen bedrückenden Themen blitzt das Hanni und Nanni-Leben von früher auf. Als unter Gekicher Anekdoten erzählt werden:

„Weißt du noch, wie dich die Oberschwester gerügt hat, weil du Ohrringe hattest? ,Nehmen sie SOFORT die Götzen aus den Ohren!`“

„Leise, Schwestern. Das schallt weit ins Krankenhausgelände!“

„Wisst ihr noch, wie wir uns beim gemeinsamen Mittagessen immer benehmen mussten und mir einmal der Schacklikspieß über den ganzen Tisch flog?“

Dieser Nachmittag fühlte sich ein bisschen an, als würde man nach Hause kommen. So viel Wohlwollen – Neugierde und Interesse für den anderen konnte man spüren. Letztlich war es das ja auch. Ein nach Hause kommen zu den  – zumindest – beruflichen Wurzeln.

Die Schulschwester ließ sich übrigens enschuldigen. Examensvorbereitung. Ach Gott – dieser Streß!

Diese Mädels damals und die gestandene Frauen von heute haben mich geprägt. Durch unser Zusammenleben ist ein Band entstanden, dass es heute so nicht mehr gibt. In heutigen Krankenpflegeschulen sowieso nicht. Und so sehr wir es vielleicht damals auch gehasst hatten, zusammenzuwohnen und nicht die Wahl zu haben, so sehr sind wir auch nach all dieser Zeit noch verbunden.

Ich hätte so gerne noch mehr erfahren: Woher nehmt ihre eure Kraft? Was macht euch glücklich? Was ist euer Lieblingsschimpfwort? Was esst ihr zum Frühstück? Welches Arbeitsgeräusch bringt euch zum Lachen?

Aber ich musste gehen. Ich hatte noch so viel zu tun.

Sollte es eine von euch lesen: Ihr seid großartig!  Und jetzt schnell ein Witzchen!

 

 

 

 

 

 

 

Advertisements