Eine kleine Szene aus der Serie: Nurse Jackie, Bittere Pillen

Jackie

Dr. Cooper….

Dr. Cooper

Schwester Jackieeeeee. Was gibt es? Was kann ich für sie tun?

Jackie

Sie können folgendes für mich tun: mir gefälligst nie wieder in die Quere kommen. Das können sie für mich tun! Alles was ich will, ist das sie genau wissen, dass ich sie kenne. Ich hab schon hunderte Idioten wie sie hier bei uns rein spazieren sehen. Toller Abschluß, sicher unter den besten zehn 5 %Prozent ihres Jahrgangs. Hab ich nicht recht? Super Zeugnisse, aber ein super scheiß Schwachkopf, wenn es um wirkliche Patienten geht. Ich kenne sie ganz genau.


Nurse Jackie hab ich durch Zufall entdeckt und mich sofort in sie verliebt. Spätestens nach dieser Szene! Denn wie gerne würde ich mal….. einem super scheiß Schwachkopf von Arzt das sagen, was Jackie – zurecht-  dem gutaussehenden Dr. Cooper sagt. Schließlich war er gerade aus Arroganz? übereifrigem (Nicht-) Wissen? unfähiger Teamarbeit? nicht ganz unschuldig am Tod eines Patienten.

Ja – so würde ich auch gerne mal sprechen. Mach ich aber nicht. NOCH hab ich mich im Griff. Außerdem bin ich agressiv gehemmt, wie es der Kabarettist Hanns Dieter Hüsch sagen würde.

Ein Hochschulstudium bereitet Menschen nur bedingt darauf vor, was es heißt, mit Menschen zu arbeiten. Nur bedingt, meine Lieben, nur bedingt!

Es gibt viele wunderbare Ärzte. Auch Anfänger! Ganz großartig im Umgang mit Patienten und Angehörigen, Schwestern und Pflegern sowie Kollegen. Ohne Frage! Gottseidank. Sonst würde man ja gar nicht fertig werden. Aber es gibt eben auch viele andere. Die ganzen Flitzpiepen, die mir in meiner langen Laufbahn über den Weg gelaufen sind. Alle vier Monate schwemmen sie in die Krankenhäuser. Endlich Arzt. Aber der Weg, ein „guter“ Arzt zu sein, kommt nicht davon, dass man sein Medizinstudium erfolgreich abgeschlossen hat.

Abgesehen davon: Was sagt es aus, wenn man sein Studium super abgeschlossen hat? Unterhaltet euch mal mit Medizinstudenten. Das Wichtigste scheint zu sein, dass man viel Stoff in möglichst kurzer Zeit auswendig lernt. Fakten aus dem Buch –  über das Hirn-  aufs Papier. Das gibt ne glatte Eins mit Stern!

Spätestens beim ersten Dienst stellt sich heraus: Es ist ein Unterschied, ob ich theoretisch weiß, dass sich ein sehr hoher Kaliumwert eher ungünstig auf die Gesundheit auswirkt oder ob ich dann praktisch in der Lage bin,  zu wissen, was ich tun muss.

Ich gebe es ja nicht gerne zu – aber es ist unfassbar ermüdend mitunter. Meine engelsgleiche Geduld schwindet von Jahr zu Jahr mehr. (Ups. Gerade liegt mein Karma kichernd auf dem Boden und rollt sich. Engelsgleich – kichert es. Geduldig? Du???? )

Ja – manchmal es tut mir fast schon leid. Je länger ich dabei bin, desto schweigsamer bin und werde ich, was Hege und Pflege der Neuen betrifft. Der Ausgleich ist geschaffen, da ich wiederum junge Kollegen habe, die sich ihrer annehmen.  Geduldig und Barmherzig – auch mit großer Güte. Damit ich seufzend meiner Wege ziehen kann. Ein gute, neuer Kreislauf quasi.

Eine kleine Auswahl – oder um es mit Eckart von Hirschhausen zu sagen: Es gibt Naturtalente, die kommen irgendwohin und verbreiten gute Laune. Und es gibt Naturtalente, die verbreiten gute Laune, egal wo die weggehen.

Der Welpe

Er/ sie hat meist weiche, braune Augen und einen Blick der so schutzbedürftig ist, dass du ihm sofort über das Haupthaar streicheln musst. „Ich kann doch noch nichts“, seufzen seine Augen. „Ich bin doch so unschuldig!“ „Ach ja,“ denkst du. „Komm her mein Kleiner, ich helfe dir.“ Ich erkläre dir jetzt zum fünften Mal, was man auf eine Brandwunde draufschmiert. Oder welche Wunden man nähen könnte. Oder das noch ein Kreuzblut abgenommen werden muss. Wo ungefähr der Knochenbruch deutlich zu sehen ist und was man dann machen könnte. Ich denke gerne für zwei. Macht mir nix. Aber Freunde des weichen Blicks: Irgendwann muss es auch mal klickern im Hirn. Die meisten Sachen sind Routine. Die kann man mit der Zeit durchaus drauf haben. In der Uni habt ihr alles mit geschrieben – warum nicht auch hier? Denn nach einer gewissen Zeit nervt es, dieser  Dackelblick. Das: „Ach – hoppla. Ich bekomme es nicht in meinen Schädel rein – Gekichere“. Und der warme Blick wirkt dümmlich.

Das Askhole

Diese Gattung angehender Arzt zeichnet sich dadurch aus, dass er jeden nach seiner Meinung zum Fall Löcher in den Bauch fragt, um dann was ganz anderes zu machen. Es setzt sich zusammen aus Ask und Asshole – aber das habt ihr schon kapiert. Absolut nervtötend. Denn bald fragt man sich: War er schon beim Reinigungsdienst? Beim Pförtner, um seine Fragen mit denen zu besprechen? Er fragt offensichtlich ausschließlich um des Fragen willens. Nicht darum, um eine Antwort zu bekommen. Die interessiert ihn offenbar nur wenig, denn er macht dann irgendwas, was einen sehr ratlos im Raum zurück lässt. Oder einen dazu bringt, den Kopf schnell irgendwo hinzuschlagen. Den eigenen – aber besser den des Askholes.

Die Heißdüse

Neu, frisch und bis in die Haarspitzen motiviert steht er in der Tür: Wo ist das Klavier – hier bin ich. „Habt ihr was zu reanimieren? Dann lasst mich durch – ich bin Arzt. Ach so – nur eine dekompensierte Herzinsuffizienz? Ach. Das ist aber langweilig. Ich geh dann mal weiter.“

Am liebsten würdest du ihm hinterher rennen und am Schlafittchen packen und zu seiner Arbeit zerren. Aber er ist schon längst über alle Berge. Und du stehst bei deinem Patienten/ Angehörigen und überlegst dir immer neue Ausreden, warum der Arzt noch nicht da ist. Innerlich schäumst du auf. Nach dem zehnten Anruf kommt er endlich. Und nach fünf Stunden Aufenthalt in der Notaufnahme ist dann der Patient endlich auf Station. Denn wenn er auch gerne „richtige Dinge“ machen möchte, ist ihm die Routine – wie  Angaben für die Station machen oder einen Aufnahmebefund erheben – eher fremd. Das dauert dann eben ein bisschen. Da blubbert und schäumt die Schwester ganz leise vor sich hin, legt dem Patienten eine Decke drüber und würde am liebsten noch ein Schnickers hinterher werfen: Wenns mal wieder länger dauert…

Der Schaumschläger

Klappern gehört zum Handwerk! So war es schon immer und so wird es immer sein.  Es ist wichtig, jedem (!) mitzuteilen, wie viel man schon gemacht hat (Puh – was ein Streß), was man alles kann( ALLES!)  und überhaupt: Er – der Herrlichste von allen. Hoher Stern der Herrlichkeit!

Gut – das Durchhaltevermögen lässt nach einer kurzen, gewissen Zeit nach. Möglicherweise ist dieser Typ Arzt durch die hohe Schule des Privatfernsehens geschult und muss nach 20 Minuten eine Werbe/ Pinkelpause einlegen. Und kratzt du ein bisschen am Hochglanzlack – siehe da: Ein Mensch! Aber ein Mensch, der sich sensationell verkaufen kann.

 Der Beißer

Ich bin der Arzt! Ich frage nicht! Nie! Ich habe studiert! Du bist (nur) Schwester! Wo kämen wir dahin, wenn irgend jemand wüsste, dass ich keine Ahnung habe. Und wo kämen wir hin, wenn ich irgend jemanden deswegen fragen würde. Das macht man nicht. Wenn du Hilfe anbietest oder Vorschläge machst, wirst du durch einen Blick sofort getötet. Unter aller Würde!

Und immer, wenn du um die Ecke schaust, siehst du den armen Tropf, wie er am Bleistift nagt, Fachbücher durchblättert oder – wenn alle Stricke reißen –  leise mit Kollegen seines Vertrauens telefoniert. Schwäche? Niemals! Er könnte einem fast Leid tun. Aber nur fast. Denn das muss nicht sein. Oftmals versteckt sich dahinter eben nichts weiter als Arroganz, leider gepaart mit menschlicher Dummheit.

Der Reperatur

Patienten? Ahhhhhhhhhhhhh. Manchmal fragst du dich schon, wie man Arzt werden kann, ohne Menschen zu mögen. Ja – auch in einem der „heiligsten“ Berufe der Welt gibt es Menschen, die mit ihren Mitmenschen so gar nichts anfangen können. Fragen beantworten? Am Ende noch einfältige oder banale? Himmelherrgottnochmal! Können die nicht mal alle ihre Klappe halten? Ich bin doch nicht Arzt geworden, um mich mit Dumpfbacke zu unterhalten!

Sie sind Arzt geworden, damit oder weil sie reparieren können. Denn das können sie gut. Wahrscheinlich wären sie auch gute KFZ- Mechaniker geworden. Aber da macht man sich die Hände immer so schmutzig. Im Krankenhaus trägt man wenigstens Handschuhe. So sehr man ihnen am liebsten mit den Patienten aus dem Weg gehen möchte: sowie die Patienten keinen Mucks mehr machen (Narkose), sind sie wirkliche Helden in ihrem Gebiet. Reparieren können sie. Sozial kommunizieren nicht. Man kann nicht alles im Leben haben.


Es ist kein Unterschied, ob ihr im Büro oder sonst wo arbeitet.

Alle erfolgreichen und glücklichen Zusammenarbeiten – frei nach Tolstoi – wie auch alle unglücklichen gleichen sich auf ihre eigene Weise.

Zwischendurch ist es ein wenig anstrengend und ermüdend. Denn mit ihnen verbringst du schichtenlange Dienste. Wenn du dann irgendwann mal bemerkst, dass sie wirklich auf dem Weg sind, Ärzte im besten Sinne zu werden, ziehen sie weiter. Und schon kommt die nächste Heißdüse um die Ecke und sucht sein Klavier.

Gottseidank bekommen die meisten Patienten davon nichts mit. Und zum Glück gibt es Kollegen und andere Ärzte, mit denen man sich austauschen kann. Denn was mir vielleicht total auf die Nerven geht, findet ein anderer ganz amüsant und kann gut damit umgehen. So wäscht eine Hand die andere. So kann man auch mit diesen Flitzpiepen umgehen. Muss ja.

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