1. Ich erwache durch Würgegeräusche der Katze. Sie hat an meiner Topfpflanze genagt und erbricht kleine Blüten.
  2. Ich bemerke einen mödermäßigen Pickel. Ich bin zu alt für Pickel.
  3. Die Sonne scheint herrlich – genau in dem Augenblick, als ich auf der Arbeit ankomme. Vorher: Regen
  4. Die Notaufnahme ist so voll, dass ich sofort anfange, die Melodie von Tetris zu singen: Belegte Liegen kreuz und quer im Gang, Rollstühle, eine Triageliste, die schier aus den Nähten platzte.
  5. Die Angehörigen, die ich aufgerufen habe und nicht kamen, beschweren sich, weil ihnen keiner Bescheid gegeben hätte. Dann fiel ihnen ein, dass sie tatsächlich mal eine rauchen waren.
  6. Die Patientin, die zum CT muss, um dann auf Station zu gehen, braucht noch ein Antibiotikum.
  7. Die Patientin, die beim CT war, ihr Antibiotikum bekam, muss doch noch zum Röntgen.
  8. Die Patientin, die beim CT war, ihr Antibiotikum bekam und beim Röntgen sitzt, wird jetzt abgeholt.
  9. Die Rettungsleitstelle ruft so oft an, dass ich mich mit der Mitarbeiterin fast auf einen Kaffee verabreden möchte – so viel sprechen wir heute miteinander.
  10. Die Patientin, die vom Rettungsdienst gebracht wird, hat einen MRSA, wie ich zufällig in den Akten – im Kleingedruckten – las.
  11. Das Zimmer für die Patientin mit dem MRSA ist belegt: Von der Patientin, die beim CT war, ihr Antibiotikum bekam und jetzt auch ihr Röntgenbild hat. Aber die Station kommt nicht. „Ich komm doch nicht ständig, um Leute abzuholen, die nicht fertig sind!“
  12. Die Kaffeepads sind alle.
  13. Eine spastisch gelähmte Frau braucht einen zirkulären Gips, den wir nur zu dritt  anlegen können. Wir schwitzen alle sehr.
  14. Die Patientin, die sich vor Weihnachten den einen Arm und jetzt den andere gebrochen hat, beschwert sich lautstark und ausgiebig über ihr Handy , „das Scheißding“, dass nur noch 39 Prozent Akku hat. Jetzt – wo sie doch ihre Eltern anrufen will. Beim Gipsen redet sie ununterbrochen von ihrem Handy und kann nicht still sitzen. Wir gipsen zu zweit.
  15. Eine ehemalige Kollegin schreibt mir eine Nachricht: Sie arbeitet seit kurzem bei Helios und soll sich eine „Helios Bibel“ für 50 Euro zulegen. Ich habe Fragezeichen in den Augen. Sachen gibt`s.
  16. Das Labor ruf an, um mitzuteilen, dass die Patientin mit dem MRSA keinen mehr hat. Aber da ist es auch schon wurscht, denn das Zimmer ist ausgeräumt, sämtliche Schutzmaßnahmen ergriffen und nach der Behandlung kann ich mir  immer noch den schweißnassen den Kittel wechseln gehen.
  17. Ich esse Salat zum Abendbrot, sehe dabei Nachrichten, wie Pottwale gestrandet sind. Man betont, wie wichtig die fachgerechte Entsorgung der Kadaver ist, weil Pottwale sonst durch Fäulnisgase „explodieren“. Das Ganze wird gezeigt. Ich hätte besser einen  Activia – Joghurt essen sollen und fühle mich nicht mehr so gut.
  18.  Die Kollegin verschiebt Patienten und legt sie in anderer Zimmer. Nach der Pause bin ich verwirrt, weil sich alle Patientinnen ab 85 an diesem Tag sehr ähnlich sehen: Klein, dünn, graue, kurze Löckchen
  19. Der Patientin, die sich nicht traut, aufzustehen, schiebe ich die Schüssel unter. Sie musste wirklich. Die Schüssel ist so voll, das sie beim Hervorziehen überschwappt und alles überschwemmt. Nun will sie doch aufstehen, damit ich die Liege frisch machen kann.
  20. Der Drucker funktioniert nicht. Ausgerechnet jetzt, als der Arzt gefühlte 200 Seiten ausdrucken wollte. Der Techniker ist informiert, wartet aber auf ein wichtiges Teil, dass erst am Montag gebracht wird. Jetzt drucken wir auf einem Drucker am anderen Ende der Notaufnahme. Jeder Schritt macht fit!
  21. Ein besoffener Mann wird mit Polizeischutz gebracht. Er wollte nicht so recht. Nun krakel er herum, aber die Polizei kann nicht bleiben.  Kurz danach  schnarcht er so laut, dass man es durch die ganze Notaufnahme hören kann. Der Raum füllt sich dadurch mit stark alkoholisierter  Ausatemluft.ICh fühle mich fast schon angeschickert.
  22. Die Röntgenassistentin keift mich am Telefon an, wo ihre Patientin bleibt. Schließlich hätte sie auch noch anderes zu tun, Himmelherrgottnocheinmal. Das Telefon klebt mir zwischen Ohr und Hals, denn ich mache die Patientin gerade sauber. Stuhlgang nach fünf Tagen wollen entsorgt werden.
  23. Der besoffene Mann warnt mich, dass ich ihn bloß nicht anfassen soll. Ich lass die Finger von ihm.
  24. Der besoffene Mann wacht auf und brüllt, dass er dringend mal muss. Wir halten ihn zu zweit aufrecht, weil er nur im Stehen pinkeln mag, sonst „hau ich euch aufs Maul!“ Danach schläft er wieder ein.
  25. Der besoffene Mann wacht auf und brüllt, dass er dringend mal muss. Wir halten ihn zu zweit aufrecht, weil er nur im Stehen pinkeln mag, sonst „hau ich euch aufs Maul!“ Danach schläft er wieder ein.
  26. Der besoffene Mann beschimpft uns als blöde, verfickte Arschlöcher.
  27. Ein junger Mann hat irgendwie ein „komisches Gefühl“. Schließlich bezahlt er ja in die Krankenkasse, damit man das ja dann auch einmal abklären kann. Jetzt!
  28. Er liegt mit dem besoffenen Mann zusammen,  weil es keinen anderen Platz mehr gibt. Da macht ihn demütig und dankbar. „Was es nicht alles gibt!“ Vielleicht liegt sein komisches Gefühl auch daran – fällt ihm ein – dass er die letzten Tage recht wenig geschlafen hat. Er hatte wichtigen  Besuch.
  29. Ein Patient gibt uns seine aktuelle „Beschwerdenliste“. Wir lesen -liebevoll notiert – von Pressversuchen bei Problemen mit dem Stuhlgang seit zwei Tagen und „teilweise Darmentleerung unter erheblichen Schmerzen“. Für ein Klistier fehlte ihm der Mut. Daher hat er den Versuch abgebrochen und ersucht nun unsere Hilfe bei der vollständigen Darmentleerung.opposites-484354_960_720

Wir gehen nach Hause. Sonst war es ganz nett.

Bildquelle: Pixabay.

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