Facebook ist ja immer so nett und zeigt uns unsere Erinnerungen. So auch diese Geschichte, die in dieser Zeit passiert ist.

Es war „Eloba- Time“. Alle drehten damals am Rad. (Heute sind es die Flüchtlinge.) Immer noch hängen ganz verträumt Zettel herum, auf denen den Patieten mitgeteilt wird, sie mögen doch so freundlich sein und sagen, wenn sie im Ausland waren.  Und wenn ja – wo.  Huhu Afrika!

Da war vielleicht Stimmung in der Bude, als eine Patientin von ihrer Reise mit der Blaskapelle nach Südafrika erzählte. ALARM. Bis einer auf die Idee kam: Moment mal. Afrika ist jetzt schon eher groß und Südafrika ist nicht Westafrika.

Wir wurden geschult, informiert und gebrieft – wie das jetzt so schön heißt.

Also eher: wir wurden an einem Vormittag in die Anzüge gesteckt. An – und ausziehen. Und noch mal. Und noch mal. Manche sind schier kollabiert.

Das sind meine Erinnerungen.

Ebola_n

So sieht Unbehagen aus.

Eingeschnürt, abgeklebt und verpackt, wie weiland es bei Pahlgruber & Söhne nicht besser hätte sein können. Wir üben bei angenehmen Temperaturen, dennoch sind wir danach klitschnaß geschwitzt. Wir lachen, weil wir so scheiße aussehen. Und wir witzeln. Wie wir oft witzeln, wenn wir gestresst sind.

„Ups. Roter Bereich angefasst. Jetzt wärest dann an-ge-steckt.“

Wir wischen uns den Schweiß aus den Augen und werfen unzählige Handschuhe, die wir auf besondere, mühsame Art und Weise ausgezogen haben in die Abfalltonne. Im Ernstfall wäre es Sonder-Super-Gefahrgutmüll. Wir brauchen eine Stunden zum anziehen und wieder ausziehen. Es ist ein lustiger Übevormittag. Aber wir wissen, dass es tödlicher Ernst woanders ist. Und das der Satz: „Jetzt wärst du an- ge-steckt“ möglicherweise unser Todesurteil bedeuten könnte.
Dreimal üben wir- dann soll es sitzen. (Tut es aber nicht.) Falls sich aus Versehen einer in unsere Notaufnahme verirrt. Wir wären dann „gerüstet“. Vom Gummistiefel bis zum Mundschutz – alles ist da.


Es ist mir ein Rätsel, wie man so arbeiten kann. Unter sengenden Sonne in diesen Klamotten, die einem die Luft zum Atmen nehmen. Wie man sich bewegen kann. Wie man sein Unbehagen und die Angst in den Griff bekommt. Wie man kranken Menschen helfen kann – eingeschnürt, abgeklebt und verpackt. Wie man dann noch nicht mal seinen Kollegen umarmen darf und sich an dessen Schulter ausweinen kann, weil es das „No Touch“ Gebot gibt.
Wie man mit der Hoffnungslosigkeit umgeht und der Trauer, die nur kurz dauern darf, weil die Nächsten warten. Wie man mit den politischen Strukturen zurecht kommen muss, bei denen man laut schreiend im Kreis laufen möchte: die Hilfe, die man so dringend braucht gibt es so nicht.

Nein. Ich habe mich nicht sicher gefühlt. Wie den auch bei nur dreimal Klamottenwechsel, dafür im Ernstfall mit Super-Ansteckungsgefahr.

Ich bin froh, dass es nie zum „Ernstfall“ gekommen ist.

Eine Freundin arbeit bei Ärzten ohne Grenzen. Zwischendurch kam sie auf Heimaturlaub und erzählte von ihrem Leben. Meine Hochachtung ist und war  riesig.

Das ganze Equipment ist  jetzt „eingemottet“ – für den Fall, dass mal wieder „was“ wäre. Ganz hoch oben im Schrank warten Handschuhe und Abklebeband auf ihren Einsatz, der hoffentlich nie eintreten möge.

 

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