Ich war heute ,lose` mit einer Bekannten verabredet. Vergessen. Flutsch und weg  Aus die Maus.

Eigentlich müsste ich ein riesiges Notitzbuch an meinem Hirn/ Kopf festtackern. Aber wie sieht das wieder aus.

Und das ist beileibe nicht das Einzige, was mir in den letzten Jahren so auffällt.

1. Das Erinnerungsvermögen nimmt rapide ab. 

Vorteil: Es ist ein bisschen so wie damals im Osten: „Was wir nicht haben, brauchst du nicht“. Tatsächlich muss nicht alles im Hirn bleiben. Wir werden ja auch jeden Tag mit Infos überflutet, dass es nur so eine Pracht ist. Alles soll man sich am besten merken, behalten, beurteilen, eine Meinung äußern, sich mitteilen, abwägen. Keine Wunder, dass die Synapsen zwischendurch ganz elegant streiken. Leere im Hirn: Kann schön sein, oder eben auch nicht, wobei ich dann auch schon bei den

Nachteilen wäre: Verabredungen verpassen. Geburtstage sowieso, besondere Festlichkeiten müssen unbedingt im Kalender notiert werden.

(Neulich hatte ich im Nachtdienst zufällig auf meine Uhr geschaut und festgestellt: Holla: Noch 30 Sekunden, dann ist mein Hochzeitstag auch schon wieder rum. Zack. Vergessen.Vorher ist es mit nicht eingefallen.)

Manchmal hilft es, dass man beizeiten „schwindeln“ gelernt hat und/ oder ein unerschütterliches Repertoire an Ausreden beherrscht. Schließlich hat man ja über die Jahre „gelernt“.

„Hast du die Antibiose schon angehängt?“

„Bin gerade dabei!“, *flöt, mit der weiblichen Terz*.

Abhilfe schafft tatsächlich ein Notizbuch/ Memofunktion/ Erinnermich im Handy und natürlich nette, möglicherweise ebenso vergessliche Freunde und Kollegen, die das einem aus Liebe verzeihen und/ oder ebenso kennen.

2. Füße können nicht nur nach vorne, sondern auch zur Seite wachsen.

Eine der sehr erstaunlichsten Entdeckungen. Durch Recherche bestätigt. Sie werden größer und breiter. Bald kann ich den Pappkarton/ Umverpackung der neuen Schuhe anziehen. Das könnte dann passen. Es ist ein Elend. Immerhin kann man so auch hin und wieder ein paar neue Schuhe ohne schlechtes Gewissen, sondern aus reiner Notwendigkeit kaufen.

3. Haare wachsen wie und wo sie wollen

Auch das will ich euch nicht verschweigen: Haare wachsen. Ab einem gewissen Alter bekommt man Schnurrhaare an den unmöglichsten Stellen. Bitte beachtet dabei – es ist ganz leicht zu merken, wenn man Fliegen denkt: wenn ihr ein Haar raus zupft, wachsen sofort fünf nach. Wahrscheinlich wollen sie sehen, wo das fehlende Haar geblieben ist.

Eine Kollegin würde sich am liebsten eine Pinzette um den Hals hängen. Als Warnung. Und überhaupt.

Jetzt warte ich noch auf irgendwelche Vorteile – ihr wisst schon: Yin und Yang. Ausgleich im Leben und so. Vielleicht – würde ich sie denn wachsen lassen – verfüge ich später einmal über ähnliche Fähigkeiten wie eine Katze und kann mich mittels der Schnurrhaare im Dunkeln orientieren.

Und wenn ihr jetzt kichert, wie der Mann an meiner Seite: Es gibt einen Ausgleich für Männer. Immerhin. Denn Gott ist gerecht. Wenn ER Männern die Haare vom Kopf nimmt, steckt er sie ihnen in die Nase und die Ohren. Ätsch.

4. Die Wahl der Zahnpasta

„Früher“ war es egal, zu welcher Zahnpasta ich griff. Markenprodukt oder nicht. Mit gigantischer Menge an Menthol oder auch nur für Biberstarkekräuterzähne. Wurscht. Neuerdings bin ich sehr viel wählerischer. Über die Jahre abgeschrubbt sagt ich da nur. Jetzt ist es Super Sensitiv. Unbedingt. Wenn es beim Fahrradfahren mit offenem Mund zieht, wird es Zeit. ( Ja. Es sieht blöd aus. Aber manchmal hat man halt mal den Mund offen. Um einen Autofahrer wegzukeifen, der einen fast über den Haufen fahren wollte.)

5. Keiner spielt mehr Quizduell

Wenn man immer älter wird, bleibt es nicht aus, das die neue Kollegen immer jünger sind. Mittlerweile spielen die wenigsten mehr mit mir Quizduell, weil ich sie meistens abzocke. (Gut. Comics und Serien- meine Schwäche) Ansonsten: Bingo für das Alter. Ich hab halt eine manchmal doppelt so lange Lebensdauer. Wenn ich da verlieren würde, hätte ich auch was falsch gemacht. Kunst und Kultur? Aber Hallo. Zeugen der Zeit? Kein Problem. Auch Medien und Unterhaltung ist super. Wobei ich mich immer frage, warum es leichter ist, sich den Namen des Kindes von Jessica Biel merken zu können (Silas Randell) als die Hunderasse, die für die Trüffelsuche eingesetzt wird (Lagotto Romgnolo).

6. Wärme ist super.

Auf der Arbeit decke ich ältere und alte Menschen immer sofort zu (Nachdem ich sie aus den Stützstrümpfen, den Leggings, der wollenen Strumpfhose, den langen Unterhosen, der Hose, dem Korsett, dem Unterhemd, dem Langarm- Angora-Unterhemd, dem Pullover, der Strickjacke, der Jacke und dem wollenen Tuch gepellt habe) Ältere und alte Menschen frieren. Immer. Auch im Sommer. Daher: Decke drauf.

Ich verstehe das. Ich verstehe das gut. Ich hab` s auch gern warm und kuschelig. Daher hab ich mir vor Jahren eine Heizdecke zugelegt. (Da war ich noch Single. Ich wollte aber das Luxusgefühl eines warmen Bettes nicht missen.)

Die Heizdecke habe ich behalten. Nichts ist besser, als in ein vorgewärmtes Bett zu steigen. Nichts! Dank einer neuen Zeitschaltuhr schmore ich nicht mehr die ganze Nacht wie auf dem Dönergrill. Sie schaltet sich ab.

Ich steh nur dumm da, wenn mich mal irgendwann ein Internist  routinemäßig fragt: „Nachtschweiß?“ „Yupp!“. Und schon sind wir bei

7. Immer schön viel trinken. 

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Das habt ihr dann davon. Ist super. Dann kann man gleich noch ein paar Haare zupfen/ testen, ob man sich schon – dank der Schnurrhaare – im Dunkeln orientieren kann. Noch was trinken (Ist eh schon wurscht – und das Trinken kommt tagsüber oft zu kurz).

8. Gelassenheit.

„Alter rockt“, las ich neulich. „So viele Dinge, die früher für mich eine Katastrophe gewesen wären erzeugen heute nur noch ein Achselzucken“. Stimmt. Die Erfahrung lehrt, das vieles sich im Leben relativiert. Vieles. Nicht alles.

Bei manchen Sachen /Dingen/ Meinungen hingegen verliere ich meine Contenance viel früher. Rassismus. Dummheit. Ignoranz. Mangelnde Empathie. Intoleranz. Da geh ich manchmal hoch wie ein achtziger Rettich (Also sehr schnell und sehr hoch – falls einer den Ausdruck nicht kennt).

9. Schmerzen

„Wenn du über vierzig bist, morgens aufwachst und hast keine Schmerzen, bist du wahrscheinlich tot“, sagt der Oberarzt.

Wie Recht er hat. Der Rücken, die Füße, die Knie, die Ellenbogen, der Bauch, der Kopf. Irgendwas ist immer. Über die Jahre hat man aber möglicherweise gelernt, sich damit zu arrangieren. Ist halt so. Immerhin weiß die pfiffige Krankenschwester mittlerweile, welches Schmerzmittel wogegen hilft.

Wenn man Schmerzen kennt, weiß man auch, wie schlimm/ lästig/ beängstigend sie sein können. Das wiederum macht einen tatsächlich zu einer besseren Krankenschwester. Es gibt ja doch die ein oder andere Krankheit, die man am eigenen Leib schon gespürt hat. Das hilft, dem anderen zu helfen. Es ist etwas anders, etwas zu wissen, als es selbst erlebt zu haben. Immer.

Das gilt für so vieles im Leben. Ob Liebeskummer oder Gallensteine – die Kompetenz und Achtsamkeit kommt aus dem Herzen, weil man so vieles schon selbst erlebt hat.

10. Die Seele hat kein Alter

Mein bestes Alter ist jetzt. Was ist schon Zeit? Die Seele hat kein Alter. So etwas sagen mir alte Patienten und mittlerweile weiß ich, was sie damit meinten. Schaue ich in den Spiegel, sehe ich mich. Aber ohne Definition nach Jahren.

Je älter ich werde, desto mehr Freude/ Spaß habe ich am Leben. Ich habe es vielleicht auch deshalb, weil ich die ein oder andere Krise hatte ( Oh ja!)

Je älter ich werde, desto mehr mag ich mich und mein Leben. Das war nicht immer so. Wenn ich meine jüngeren Kollegen ansehe weiß ich: es ist ein Prozess. Bei ihnen wie auch bei mir. Ich werde dankbarer, verwunderter, gerührter, gläubiger. (Wer um alles in der Welt hat sich ausgedacht, das Gerstenfelder so großartig aussehen? Warum sind Wolken so schön?)

Nein. Seelen haben kein Alter. Seelen sind auch nicht an Hautfarbe oder Sprache gebunden.

Was wird sein, frage ich mich manchmal? Wie wird es weitergehen? Ich habe keine Ahnung.  Ich bin jetzt Mitte 40. (Geschenke bitte erst im Dezember).

Das Wohlbefinden bei Männern und Frauen sinkt bis Mitte 40 im Schnitt immer weiter ab und steigt erst danach wieder an`– habe ich gelesen. Ich bin also auf dem aufsteigenden Ast. 

Ich weiß nicht, wie es sein wird, wenn ich noch älter sein werde. Wenn die Kinder flügge werden. Oder die Kollegen noch jünger und ich vielleicht auch nicht mehr mithalten kann oder will. Ich weiß nicht, wie und wo ich dann meinen Platz finden werde. Es wird sich fügen. Wie sich schon so vieles im Leben gefügt hat. Ich hoffe auf das Beste. 

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