Bruce Darnell zeigte Fiona, wie eine Handtasche behandelt werden möchte. „Das Handetasche muss au leben“, sagte er. Denn: „Wenn man schon ein Tasche hat – die muss auch lebendig sein!“

Das klingt logisch.

Aber das wusste alles der Patient, als er die 25 Meter vom Warte- zum Behandlungsraum als Laufsteg nutzte. Burce Darnell hätte feuchte Augen vor Glück gehabt.

Passend dazu ein dezenter Hüftschwung, der auch ein bisschen an Pinguine erinnerte – wegen der fehlenden Knie – und der die Slimfit Hose gut zur Geltung brachte. Das schwarze Hemd war leicht aufgeknöpft. Abgerundet wurde das ganze durch glänzend, braune Schuhe die durchaus in den Zeitrahmen passten, der da heißt: „Keine braunen Schuhe nach sechs Uhr“. Die Wimpern waren lang und dicht.

Ich hielt ihm die Türe auf und fühlte mich unschön.

„Hallo“, sagte er leicht nasal mit einem schmelzenden Augenaufschlag. „Da bin ich!“ – die Körperhaltung zur Teekanne geformt. Ich war hingerissen und kam mir wie in einem Schwulen Comic vor.

Mein Kollege übernahm die Weiterbehandlung. Er war der Profi in Sachen Pinoidalabszess-Spülung. Denn darunter litt Bruce Darnells Täschenschwingprofi (Eine mehr als unschöne Sache: Keiner will einen Abszess am Arsch Popo. Niemand will sich da operieren lassen und erst recht nicht an dieser Stelle spülen und austamponieren lassen, bis endlich die ganze Geschichte quasi von innen heraus zugewachsen ist).

Nun muss man dazu sagen, dass mein Kollege zum Patienten nicht hätte unterschiedlicher sein können. Hier traf die Stadtmaus auf die Landmaus. Es war großartiges Kino am Sprechstundenvormittag.

Prosecco gegen Bier.

Schwarze, gebügelte hemden gegen T-Shirts mit der Auschrift: ,Hier hat der Spaß ein Loch.`

Glamour gegen Treckerfahren.

Ich lehnte halb in der Türe und hörte ihnen zu. Im Hintergrund saß der behandelnde Arzt.

„Sag mal,“, fing die Stadtmaus vorsichtig an. „Mein Mann möchte so gerne wissen, wann wir mal wieder….“

„Och. Wenn alles zugewachsen ist!“, sagte die Pflege-Landmaus ungerührt und stopfte Tamponade in Wunde. „So in fünf Wochen vielleicht?“

„Ikkks!“, höre ich den Patienten. „Ist nicht dein Ernst OHMEINGOTT!“

„Hmpf!“, machte der Oberarzt und schaute, dass er aus dem Raum kam, um vor der Türe lautlos zu kichern.

„Spässle!“, sagte der Kollege bierernst.

„Du bist mir vielleicht einer!“, kicherte der Patient.

Sie verstanden sich wirklich gut  – die beiden.

Das alles erzählte ih abends meinem entzückenden Nachbarn bei Prosecco, Erdnüssen und drei Folgen „Shopping Queen“.

Und dabei gackerten wir genauso wie in einem wahrgewordenen Ralf König Comic.

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