Nanu – was hat dieses Filmchen mit der Notaufnahme zu tun?  Nichts – und alles.

Wir sind nämlich komplett furchtlos. Jawoll! Hallöchen! Wir arbeiten schließlich in einem Akutbereich. Wir erleben jeden Tag größere und auch kleinere bis kleinste Katastrophen. Wir kämpfen um das Leben von Patienten und um unsere Contenance. Wir kennen keine Angst. Wenn einer eine Tachykardie hat, dann Patienten, aber doch nicht WIR!

Wir nicht.

So. Und jetzt mal Butter bei die Fische!

Wir alle würden gerne in vielen Situationen mal einen Schritt zurück treten. Manchmal haben wir nämlich die Hosen gestrichen voll.

Ein völlig überraschender Herzstillstand im Röntgen – und weit und breit kein Reateam zur Stelle. Nur wir sind da – mit dem Sauerstoffschnüdel in der vorerst hilflosen Hand. Und die MTA mit weit aufgerissenen Augen.

Ein aggressiver Alkoholiker, dem das Messer aus der Tasche schaut und mit dem wir alleine im Behandlungsraum sind.

Ein Mensch, der mehr als stark riecht. Otterbock ist nichts dagegen. Man ahnt, was passiert, wenn man diesen Menschen weiter auszieht.  Maden? Üble, schwärende Wunden? Superstink?

Angehörige, die sich daneben benehmen.

Patienten, denen wir die Hand halten, während sie eine schlimme Diagnose bekommen.

Widerwärtige Deppen, die meinen, sie sind die Besten, Schönsten und Klügsten.

Kollegen, die hinterrücks einem sehr merkwürdige Dinge über einen selbst oder andere erzählen (fiese Lästereien).

Da würden wir alle gerne erst mal einen Schritt zurück treten (Ach was schreib ich: Beine in die Hand nehmen und rennen, rennen, rennen so weit unsere Füße tragen. Nur weg!) und laut sagen: HALT. STOPP. MOMENT MAL BITTE. Kann ich nicht mal eben eine rauchen gehen/ Kaffe trinken/ zu meiner Mutti/ in mich gehen und sammeln/ eine Flache Parfum holen?

Aber nein. Schon vergessen? Wir sind die furchtlose Schwestern und Pfleger vor dem Herrn. Wir können nicht weg. Wir müssen da durch. Wir müssen das blöde Angsttier in uns unschädlich machen. Durchatmen. Brust raus, Arsch rein. Und dann:

Losgehen. Retten, Helfen, Saubermachen, Konflikte lösen. Trösten. Heilen. Wischen und putzen.

Denn Furcht/ Angst/ Sorge ist gut.  Das macht uns aufmerksam. Und fördert – im besten Falle –  das beste in uns zutage was wir haben: Unsere Kompetenz. Unsere Gelassenheit. Unsere Fürsorge. Unseren Trost. Unser „Dasein“.

Wir haben gelernt, gegen den Wolf zu rennen. Tag für Tag. Nacht für Nacht. Oft löst sich Furcht in nichts auf. PUFF. Auch das wissen wir.

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