Manchmal „plaudere“ ich nach dem Nachtdienst noch mit einer Kollegin aus dem Krankenhaus. (Sie geht vor dem Schlafengehen noch mal mit dem Hund. Ich mache Frühstück. Bis der Hund gepinkelt hat und drei Kinder für die Schule fertig gemacht sind, vergeht ein bisschen Zeit)

Das „Geplaudere“ sieht dann so aus: ( Ich bin die „blaue“)

Teil 1 wenn ich

Teil 2 pfff

Und zur Krönung:

Teil 3 Pafrum

Nachtdienst war einmal meine Lieblingsschicht. Früher mal. Da hatte ich nebenbei auch noch keine Familie.

Nachtschicht bedeutet: Es ist nicht ganz so viel los (Meistens. Manchmal hat man auch einfach Pech. Dann rennt man die ganze Nacht.) Das Telefon schellt bedeutend weniger als in der Tagschicht. Also alles in allem: ganz okay soweit.

Mittlerweile aber, nach unzähligen Nachtdiensten (einmal im Monat mindestens drei Nächste) bin ich nicht mehr ganz so entspannt. Es stresst mich, den Rhythmus zu wechseln. Wenn sich die Nacht über alle senkt, wach zu bleiben. Und dann  – nach zwei bis drei freien Tagen wieder in die Frühschicht zu wechseln. Nebenbei ist eine Familie zu managen. Geschlafen wird zwischendurch. Es ist immer zu wenig. Die Ringe unter den Augen ähneln von Tag zu Tag mehr denen von Horst Tappert.

So wie Krankheiten in der Nacht schlimmer sind, weil nichts da ist, was einen groß ablenkt, so potenziert sich die Anstrengung für einen selbst. Zumindest mit den Jahren.

Schichtdienst. Das Packet hat man gebucht, wenn man Krankenschwester wird/ ist.

Netterweise wissen viele es zu schätzen, dass man sich die Nächte um die Ohren schlägt, um immer hilfreich zur Stelle sein.

Andere sehen das anders: „Ich hab noch Licht gesehen. Und bis ich einen Termin beim Facharzt bekommen, bin ich halt mal gekommen. Sie sind ja eh alle da.“

Die letzten Nächte kamen (gefühlt) die mühseligen und beladenen. Junge Frauen (18) mit großem Liebeskummer. („Der hat mich voll betrogen, der Arsch. Das tut so weh!“ “ Ja. Das tut weh. Aber das wird wahrscheinlich nicht das letzte Mal im Leben gewesen sein. Das hälst du aus.“ „Was noch mal????? Das mach ich nie wieder mit!“) Junge Frauen (21), die den fünften Selbstmordversuch zu ihrem Kummer überlebt haben. Ebenso eine junge Borderlinerin, die  sich dermaßen schwer angeritzt und geschnitten hatte, dass es einem kurzfristig die Sprache verschlug. Ein Mann, seit zwei Tagen neu im Knast. Das Herz tut ihm so weh. Er hyperventiliert. Schuld und Sühne? Buß und Reu‘ ?

Ömmakens und Öppakens, die irgendwie hinfielen. („Ich trinke nie!“. „Hm. Wie kommen dann wohl die 2 % zustande?“)

Schwerverletzte, die mit dem Rettungsdienst aus der Disko gebracht wurden. Die Wunde war kaum zu finden. „Es hat aber mal voll krass stark geblutet. Ich dachte ich sterbe!“ – Pflaster drauf.

Und alle anderen auch.

Jetzt ist es rum. Hurra Wochenende. Abtauchen! Schwimmen, bis man in den Flow kommt. Und mit jedem Meter lässt man vielleicht all die Schicksale hinter sich.

wasser

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