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Es ist natürlich so, dass man in der Notaufnahme auch auf Menschen trifft, die man sofort mag. In die man sich ad hoc verliebt. Die man gerne mit nach Hause nehmen, adoptieren oder heiraten würde – was auch immer. Die Chemie stimmt. Ein Blick in die Augen des jeweils anderen sagt: Hurra. Glück gehabt. Tag gerettet. Netter Mensch.

In meinem Fall war es eine Australierin. Knapp 76 Jahre.  Für drei Monate Dozentin in Deutschland an der Universität für internationales Handelsrecht. Kluge, flinke Augen unter grauem Haar.

Sie trat am Morgen aus ihrer Haustüre und wurde von einer Joggerin umgerannt. Oberarmbruch. Operation am Nachmittag.

Auf einem Zettel, den sie dabei hatte, stand eine Telefonnummer.  Nicht von ihren Angehörigen, sonderen von der Dekanin ihrer Fakulät.

„Ja. So ist das eben“, sagte sie. (say it in english)

Wie würde es mit gehen, wenn ich weit, weit weg von zuhause bin, keinen kenne und in einer Notaufnahme lande?

Wir plauderten nett. Also sie. Ich radebrechte mich durch ein eingerostetes Englisch. Aber das war egal. Denn „wir erkannten einander“ – wie es so schön heißt. Da spielt Sprache kaum eine Rolle. Für den Rest gibts einen Goggle Übersetzer.

Sie ging mir nicht mehr aus dem Kopf.

Heute habe ich sie besucht. Es war mir ein Anliegen, ihr Blümchen zu bringen und „Hello“ zu sagen. Du bist nicht allein – auch wenn du sehr weit weg von deinen Lieben bist.

Well – sagte sie: das war heute das netteste, was mir passiert ist.

Fand ich auch. Morgen gehen wir in den Park.

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