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„Puh!“ , stellte der Kollege fest und kam aus dem Zimmer. Im Behandlungszimmer lag ein betrunkener Mann im besten Alter – wenn er sich nicht so abgeschafft hätte. In der Tasche, die der Rettungsdienst behutsam abgestellt hatte, klimperte es. Nachschub. Viele Flaschen billiger Fusel.

Äußerst wehleidig lag er auf seiner Liege. Ach Gott. Diese Schmerzen! Überall tats weh. Selbst anschauen tat weh! Die Hose war nass wie zehn Eimer Strümpfe. „Ich habs laufen lassen!“ Der Geruch: unbeschreiblich. Schnaps, Armut, Schnaps, Depression, Schnaps, Pipi, wochenlang nicht gewechselte Klamotten, Schnaps.


„Ich komm aus Köln. Aber jetzt bin ich nach Hause zurück gekommen, damit ich mich von einer Brücke in der Heimat stürzen kann. Daheim ist es doch am schönsten!“


Öhm. Ja. Soll man jetzt Besoffenen glauben, weil sie angeblich immer die Wahrheit sprechen? Soll man schmunzeln, weil es „daheim“ immer noch am schönsten ist – selbst zum sterben?
Er krakelte vor sich hin – bei einem Promillewert von knapp 3. Und wartete auf die Dinge, die da kämen. Ein warmes Bett, eine Brücke, vielleicht sogar auf die Frau seiner Träume. Während er so wartete, hörten wir merkwürdige Geräusche.

„Was macht der da?“

„Schau doch mal“

„Er bläst was auf!“

„Was denn?“

„Äh. Kondome!?“

„Nein!“

„Doch!“

„Orrrrrrrch!“


Fassen wir zusammen: Da liegt einer hackevoll  in der Notaufnahme. Er stinkt wie Otterbock , ist fertig mit dieser Welt und möchte gerne von einer Brücke in den Tod springen. 

Aber dann bläst seine mitgebrachten Kondome auf. Kondome?!

Wie – so frage ich mich seitdem – macht er wohl die Mädels klar und wenn ja – welche???

Solange es also noch einen kleinen Funken – oder Puste – für die Liebe gibt , ist noch nicht alles verloren. Nicht die Hoffnung, nicht die Liebe, nicht die Fürsorge für den anderen durch die (mögliche) Benutzung der Kondome, nicht das Leben.

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